Coinbase zählt längst zu den wichtigsten Krypto-Unternehmen der Welt. Die US-Börse ist Handelsplatz, Verwahrer, Infrastrukturbetreiber und über Base auch direkt im Onchain-Ökosystem verankert.

Nun könnte Coinbase den nächsten strategischen Schritt gehen: Gemeinsam mit Visa, Mastercard und Stripe soll laut Berichten eine eigene Stablecoin-Plattform entstehen. Das wäre nicht nur ein Angriff auf Tether, sondern auch auf Circle – ausgerechnet einen langjährigen Verbündeten.

Denn Coinbase war maßgeblich daran beteiligt, USDC groß zu machen. Doch genau diese Verteilungsmacht könnte nun zur Gefahr für Circle werden. Wenn Coinbase Nutzer künftig auf einen eigenen Stablecoin lenkt, verschiebt sich die Macht im Stablecoin-Markt deutlich.

Das Wichtigste im Überblick:

  • Coinbase könnte mit Visa, Mastercard und Stripe eigenen Stablecoin starten künftig.
  • Circle und Coinbase machten USDC gemeinsam groß, werden nun mögliche Rivalen.
  • Stablecoins entwickeln sich zum wichtigsten Schlachtfeld moderner globaler Zahlungsinfrastruktur heute.

Circle und Coinbase: Vom USDC-Partner zum potenziellen Rivalen

Circle und Coinbase sind seit Jahren eng über USDC miteinander verbunden. USDC wurde 2018 von Circle und Coinbase über das Centre Consortium gestartet und entwickelte sich zur wichtigsten regulierten Alternative zu Tether. Circle ist dabei der Emittent des Stablecoins, während Coinbase eine zentrale Rolle bei Verbreitung, Liquidität und Nutzerzugang spielte. Gerade auf Coinbase wurde USDC für viele Anleger zur Standard-Stablecoin-Lösung.

Finanziell ist diese Partnerschaft besonders relevant. Circle verdient primär an den Zinserträgen der Reserven, mit denen USDC gedeckt ist. USDC ist laut Circle vollständig durch liquide Cash- und cashähnliche Reserven gedeckt und 1:1 gegen US-Dollar einlösbar. Zugleich zeigen Analysen der IPO-Unterlagen, dass Coinbase im Rahmen der Vereinbarung 100 Prozent der Zinserträge auf USDC-Bestände auf der eigenen Plattform erhält und bei extern gehaltenem USDC einen Anteil bekommt. Damit ist Coinbase für Circle Partner, Wachstumstreiber – aber auch ein gewaltiger Kostenfaktor.

Visa, Mastercard, Stripe und Coinbase: Stablecoins werden zum Zahlungsnetzwerk

Die neue Entwicklung zeigt, wie stark Stablecoins inzwischen in den Fokus traditioneller Zahlungsriesen rücken. Laut den diskutierten Berichten arbeiten Visa, Mastercard, Stripe und Coinbase an einer gemeinsamen Stablecoin-Infrastruktur. Ziel wäre es, nicht mehr nur bestehende Stablecoins wie USDC oder USDT zu nutzen, sondern selbst stärker an der Ausgabe, Abwicklung und Verteilung digitaler Dollar teilzunehmen.

Das passt zu den jüngsten Schritten der beteiligten Unternehmen. Stripe kaufte bereits Bridge für rund 1,1 Milliarden US-Dollar und stärkte damit seine Stablecoin-Infrastruktur deutlich. Mastercard wiederum kündigte die Übernahme von BVNK für bis zu 1,8 Milliarden US-Dollar an, um Stablecoin-Zahlungen und grenzüberschreitende Abwicklung auszubauen. Visa erweitert parallel sein Stablecoin-Settlement massiv: Das Pilotprogramm unterstützt inzwischen neun Blockchains und erreicht laut Visa eine annualisierte Settlement-Rate von rund 7 Milliarden US-Dollar.

Damit entsteht ein neues Machtzentrum. Früher dominierten Banken klassische Zahlungsströme, während Tether und Circle den Stablecoin-Markt prägten. Nun versuchen Zahlungsnetzwerke und Fintechs, direkt in diese Wertschöpfung einzudringen. Für Coinbase wäre ein eigener Stablecoin besonders attraktiv, weil das Unternehmen bereits Nutzer, Wallets, Börsenliquidität und mit Base eine eigene Blockchain-Infrastruktur besitzt.

Circle verliert ausgerechnet seinen wichtigsten Hebel

Die Analystin Stacy Muur ordnet die Entwicklung besonders brisant ein. Ihr Kernargument: Circle hat USDC zwar emittiert, doch Coinbase hat USDC groß gemacht. Coinbase und seine Nutzer halten einen erheblichen Teil des gesamten USDC-Angebots. Damit kontrolliert Coinbase einen der wichtigsten Vertriebskanäle für Circle.

Genau hier liegt das Risiko. Wenn Coinbase künftig gemeinsam mit Stripe, Visa und Mastercard einen eigenen Stablecoin oder eine eigene Stablecoin-Plattform aufbaut, könnte das Unternehmen Nutzer aktiv von USDC weglenken. Statt Zinserträge mit Circle zu teilen, würde Coinbase diese Einnahmen stärker selbst vereinnahmen. Das wäre ein fundamentaler Bruch in der bisherigen Stablecoin-Ökonomie.

Muur sieht deshalb nicht nur einen weiteren Stablecoin-Launch, sondern eine strategische Machtverschiebung. Der wichtigste Partner von Circle könnte zum gefährlichsten Konkurrenten werden. Besonders spannend: Institutionen bekämpfen Krypto nicht mehr von außen, sondern übernehmen die Infrastruktur selbst. Stablecoins werden damit zum neuen Schlachtfeld globaler Finanzinfrastruktur – zwischen Banken, Zahlungsriesen, Krypto-Börsen und bisherigen Emittenten wie Circle und Tether.


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Christoph Peterson
Christoph Peterson
Krypto Redakteur

Vor einigen Jahren hat Christoph das Thema Kryptowährungen für sich entdeckt und ist seither leidenschaftlich als Autor und Enthusiast in diesem Bereich aktiv. Sein Interesse gilt vor allem den Themen Kryptowährungen, Blockchain-Technologie und Security Token Offerings (STOs). Als regelmäßiger Autor... Mehr lesen

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