Der Kryptomarkt zeigt sich weiterhin unentschlossen und kämpft mit anhaltendem Verkaufsdruck. Nach einer Phase intensiver Schwankungen blieb besonders der Oktober schwach, erstmals seit sieben Jahren verzeichnete Bitcoin in diesem Monat keine positive Rendite. Diese Entwicklung hat das Vertrauen vieler Anleger vorübergehend gedämpft.
Nun haben die Analysten von Binance Research eine umfassende Studie veröffentlicht, die die zentralen Trends des Oktobers beleuchtet, darunter das Krypto-Sentiment, x402, Privacy-Coins und mehr.
Das Wichtigste im Überblick:
- Laut Binance Research erlebt das Zahlungsprotokoll x402 einen massiven Nutzungsschub im Oktober.
- Über 720.000 tägliche Transaktionen zeigen wachsende Akzeptanz auf Base, BNB und Solana.
- x402 ermöglicht Stablecoin-Zahlungen über HTTP 402 – ohne Banken oder Intermediäre.
- Binance sieht in x402 eine mögliche Zahlungsschicht der künftigen KI-Wirtschaft.
- Privacy-Coins legten stark zu, Zcash überholte Monero mit 160 Prozent Transaktionsanstieg.
- DeFi-TVL sank leicht, während Stablecoins und neue Fiat-Token wie EUROD wuchsen.
- KI-Trading-Experimente offenbaren laut Binance hohe Risiken durch Hebel und Fehlsteuerung.
x402 wird zum Motor des Web-Payments
Laut einer neuen Studie von Binance Research erlebt das offene Zahlungsprotokoll x402 derzeit einen spannenden Aufschwung. Das System nutzt den lange ungenutzten HTTP-Statuscode 402 („Payment Required“), um sofortige Stablecoin-Transfers direkt über das Internet zu ermöglichen. All das erfolgt ohne Konten, Karten oder Intermediäre. Damit entsteht ein völlig neuer Ansatz für Online-Zahlungen, der vor allem für Websites, APIs und KI-Agenten gedacht ist.
Nachdem die Aktivität seit dem Start im Mai zunächst gering blieb, kam es im Oktober zu einem regelrechten Ausbruch. Die täglichen Transaktionen stiegen laut Binance-Analysten auf über 720.000, die wöchentliche Gesamtzahl überschritt 3,7 Millionen. Das Wachstum begann auf der Base-Chain und weitete sich anschließend auf BNB Chain und Solana aus. Auslöser war eine Welle neuer Token-Launches, die das Minten und Kaufen digitaler Assets per einfachem Web-Request erlaubten.
Die Studie unterscheidet zwei Hauptnarrative: einerseits die spekulative Memecoin-Welle, die das Protokoll bekannter machte, andererseits die strukturelle Integration durch KI-Agenten. Diese nutzen x402, um selbstständig für Daten, Rechenleistung oder API-Zugriffe zu bezahlen. Mit Partnern wie Circle, Google und Cloudflare wächst das Ökosystem rasant. Laut Binance könnte x402 langfristig zur Zahlungsschicht der KI-Wirtschaft werden.
Privacy-Coins erleben deutlichen Aufschwung im Oktober
Laut Binance Research haben Privacy-orientierte Blockchains im Oktober 2025 einen starken Aktivitätsschub erlebt. Die täglichen Transaktionen auf den drei größten Netzwerken mit Fokus auf Privatsphäre stiegen um mehr als 30 Prozent, was auf wachsende Nutzerakzeptanz und ein zunehmendes Interesse an anonymen Krypto-Transaktionen hindeutet.
Besonders hervor stach Zcash, das laut den Binance-Analysten einen Anstieg der durchschnittlichen täglichen Transaktionen um 160 Prozent verzeichnete und dabei neue Rekordstände bei der Marktkapitalisierung erreichte, erstmals sogar vor Monero.
Die Studie betont, dass der Trend über reine Spekulation hinausgeht. Immer mehr Projekte wollen Privacy-Funktionalitäten direkt in die Blockchain-Infrastruktur integrieren. So plant etwa Ethereum, ein eigenes „Privacy Cluster“ zu etablieren, das Datenschutz, regulatorische Neutralität und Konformität vereint. Damit soll ein Rahmen geschaffen werden, der Privatsphäre mit den Anforderungen globaler Aufsicht verbindet.
Parallel dazu gewinnen Zero-Knowledge-Technologien (ZK) an Bedeutung, da sie Transaktionen und Smart Contracts validieren, ohne sensible Daten offenzulegen. Anwendungen wie Lighter, die ZK-Proofs zur Wahrung von Fairness und Vertraulichkeit einsetzen, verdeutlichen diesen Wandel. Laut Binance Research signalisiert der Oktober damit eine neue Wachstumsphase für On-Chain-Privacy.
Kryptowährungen kaufen 2025 – alles Wissenswerte
DeFi-Markt konsolidiert: Stablecoins legen zu
Derweil sank der Total Value Locked (TVL) im DeFi-Sektor im Oktober 2025 um rund 4,85 Prozent gegenüber dem Vormonat. Ursache war laut den Analysten ein allgemeiner Liquiditätsrückgang infolge der Markt-Korrektur, der Investoren zu vorsichtigerem Verhalten veranlasste.
Innerhalb der fünf größten DeFi-Ökosysteme zeigte sich ein gemischtes Bild: BNB Chain verzeichnete das stärkste Wachstum, gefolgt von Solana und Arbitrum, während Tron und Ethereum leichte Rückgänge meldeten.
Parallel dazu stieg die Aktivität im Stablecoin-Segment deutlich an. Angesichts der erhöhten Volatilität suchten Anleger verstärkt Sicherheit, wodurch die gesamte Stablecoin-Marktkapitalisierung um 3,54 Prozent zulegte. Während USDTseine Marktführerschaft weiter ausbaute, legte USDC nur leicht zu. Zudem wurden neue fiat-gestützte Stablecoins wie der EUROD (Euro) und JPYC (Japanischer Yen) eingeführt. Diese Entwicklung erweitert laut Binance Research die Diversifizierung abseits des US-Dollars und verbessert langfristig die Effizienz grenzüberschreitender Zahlungen.
KI-Trading rückt im Kryptomarkt in den Fokus
Binance Research sieht im Oktober 2025 die Schnittstelle zwischen Künstlicher Intelligenz (KI) und dem Kryptohandel verstärkt in den Mittelpunkt. Anlass war ein Experiment von Nof1 Research, das sechs führende Large Language Models (LLMs), darunter GPT-5, Claude Sonnet, DeepSeek V3.1 und Gemini 2.5 Pro, mit jeweils 10.000 US-Dollar realem Kapital auf autonome Handelsstrategien ansetzte. Ziel war nicht, ein „bestes Modell“ zu küren, sondern die Verhaltensmuster, Risikobereitschaft und Entscheidungslogik der Systeme im Live-Markt zu untersuchen.
Das Ergebnis zeigte deutliche Unterschiede: DeepSeek V3.1 und Qwen3 Max erzielten Renditen von 94 Prozent bzw. 60 Prozent, profitierten dabei von wenigen, stark gehebelten Gewinnen. Dagegen verloren Gemini 2.5 Pro und GPT-5 über 60 Prozent, da sie einen Bitcoin-Rallye-Impuls falsch interpretierten und übermäßig häufig handelten. Die durchschnittliche Trefferquote aller Modelle lag laut Binance-Analysten bei nur etwa 30 Prozent.
Der wichtigste Befund: Risikomanagement übertrifft Prognosekraft. Die größten Verluste entstanden durch Überhebelung und zu hohe Handelsfrequenz. Dies waren klassische Fehler, die KI-Modelle ebenso begehen wie menschliche Trader.
Marktsentiment bleibt trotz Oktober-Korrektur robust
Derweil blieb das spekulative Sentiment im Kryptomarkt trotz der heftigen Korrektur vom 10. und 11. Oktober 2025 überraschend stabil. Zwar fiel das kombinierte On-Chain- und Off-Chain-Leverage-Verhältnis kurzfristig unter fünf Prozent, erholte sich jedoch rasch und lag zum Monatsende wieder bei 5,77 Prozent. Dies war ein Niveau ähnlich wie im August. Diese schnelle Erholung deutet laut Binance Research darauf hin, dass der Markt keine nachhaltige Deleveraging-Phase oder Vertrauenskrise erlebte.
Auslöser des Crashs waren unerwartete Aussagen des US-Präsidenten Donald Trump zu neuen Zöllen gegenüber China. Die Bitcoin-Volatilität erreichte intraday rund 16 Prozent, ein seltenes Ereignis, das statistisch nur etwa alle 1.000 Tage vorkommt. Auch der BVoL-Index stieg vorübergehend von 35 auf 52, blieb aber weit unter dem Jahreshoch von 88.
Insgesamt bleiben die Analysten deshalb weiterhin optimistisch:
„Allerdings liegt er weiterhin weit unter dem Jahreshoch von 88, das im März verzeichnet wurde. Dies deutet darauf hin, dass der starke Rückgang im Oktober keine weit verbreitete Angst unter erfahrenen Anlegern ausgelöst hat.“
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