In den USA hat der lange erwartete CLARITY Act als umfassender Entwurf zur Schaffung klarer Regeln für digitale Vermögenswerte in dieser Woche einen deutlichen Rückschlag erlitten. Für den Senate Banking Committee Markup, einen wichtigen Ausschuss-Schritt im Gesetzgebungsverfahren, war ursprünglich letzte Woche eine Debatte und Abstimmung geplant. Kurz zuvor zog jedoch Coinbase als eines der größten Krypto-Unternehmen seine Unterstützung für den aktuellen Gesetzentwurf zurück.

CEO Brian Armstrong erklärte öffentlich, dass Coinbase den Entwurf „in seiner jetzigen Form“ nicht mehr unterstützen könne, da er nach Ansicht der Firma unter anderem tokenisierte Aktien, DeFi-Aktivitäten und Belohnungen für Stablecoin-Halter unverhältnismäßig einschränkt. Diese überraschende Ankündigung führte dazu, dass die Ausschusssitzung kurzfristig verschoben wurde.

Der Senat will nun weitere Gespräche mit Branchenvertretern und Abgeordneten führen, bevor ein neuer Markup-Termin angesetzt wird. Doch augenscheinlich nimmt Kritik an Coinbase-CEO Brian Armstrong zu. Das Weiße Haus und Donald Trump seien unzufrieden mit ihm.

Das Wichtigste im Überblick:

  • Der CLARITY Act erlitt einen Rückschlag, nachdem Coinbase überraschend seine Unterstützung vollständig zurückzog.
  • Brian Armstrong kritisiert Einschränkungen für DeFi, tokenisierte Aktien und Stablecoin-Erträge scharf.
  • Das Weiße Haus soll wütend auf Armstrong sein und droht Unterstützung zurückzuziehen.
  • Armstrong wirft Banken vor, Trumps Krypto-Agenda durch Lobbyarbeit gezielt zu untergraben.
  • Mike Novogratz sieht Stablecoins als größte Bedrohung für das profitable Bankensystem.

Trump-Administration verärgert über Coinbase-Move

Laut der bekannten US-Krypto-Journalistin Eleanor Terrett steht das Weiße Haus unter Präsident Trump angeblich „kurz davor, seine Unterstützung für den CLARITY Act komplett zurückzuziehen, wenn Coinbase nicht wieder an den Verhandlungstisch zurückkehrt und einen Kompromiss zum Thema Yield-Regelung findet, der sowohl Banken als auch andere Parteien zufriedenstellt.

Terrett zitiert aus Kreisen der Trump-Administration, dass die Regierung „wütend“ über den „unilateralen Schritt“ von Coinbase sei, sich zuvor ohne Vorwarnung gegen den aktuellen Gesetzentwurf zu stellen und damit den Markup-Termin im Senate Banking Committee zu verzögern oder offen zu lassen.

Demnach sei man im Weißen Haus der Ansicht, dass eine einzelne Firma nicht für die gesamte Krypto-Industrie sprechen sollte und dass es letztlich Trumps Gesetz und nicht Brian Armstrongs Agenda sei, die durchgesetzt werden sollte.

Armstrong behauptet: Banken untergraben Trumps Krypto-Agenda

Auf der anderen Seite hat Coinbase-CEO Brian Armstrong öffentlich erklärt, dass große US-Banken aktiv versuchen würden, die pro-kryptofreundliche Agenda von Präsident Donald Trump zu untergraben. In einem Interview sagte Armstrong, dass bestimmte Banken hinter den Kulissen Lobbyarbeit betreiben, um Legislativtexte so zu gestalten, dass sie Innovationen im Kryptowährungsbereich beschneiden und traditionelle Finanzstrukturen schützen. Insbesondere kritisierte Armstrong, dass Banken ein Interesse daran hätten, Ertragsmöglichkeiten für Stablecoin-Inhaber zu begrenzen, da diese – seiner Ansicht nach – Geld aus den Taschen „hart arbeitender, durchschnittlicher Amerikaner“ in die Gewinnspannen großer Banken umlenken würden.

Laut Armstrong stehen die Banken nicht nur im klassischen Wettbewerb mit Krypto-Plattformen, sondern sie versuchten auch, den politischen Prozess zu beeinflussen, indem sie Gesetzesformulierungen unterstützen, die traditionelle Finanzakteure begünstigen und DeFi, Stablecoin-Erträge oder tokenisierte Anlagen beschränken könnten.

Armstrong argumentiert, dass ein wirklich innovationsfreundliches Regulierungsumfeld fair und technologieoffen sein sollte, statt Interessen großer Banken zu schützen.

Banken & Stablecoins bedrohen das Gesetz

Der bekannte Krypto-Investor Mike Novogratz hat die aktuelle Blockade beim US-Krypto-Gesetz ebenfalls direkt auf den Punkt gebracht: Das eigentliche Problem seien nicht parteipolitische Differenzen, sondern die Interessen der Banken, insbesondere beim Thema Stablecoins. Seiner Einschätzung nach wollen grundsätzlich beide politischen Lager ein Marktstruktur-Gesetz. Der Konflikt entstehe dort, wo Stablecoins das Geschäftsmodell der Banken berühren.

Heute zahlen viele Großbanken auf Spareinlagen kaum Zinsen, während sie diese Einlagen selbst mit rund drei bis vier Prozent bei der Notenbank parken können. Stablecoins mit Renditeoptionen bedrohen genau diese Marge. Wenn Verbraucher ihr Geld in verzinste Stablecoins verschieben, verlieren Banken Einlagen oder müssen höhere Zinsen zahlen. Genau dieser mögliche Strukturwandel erklärt laut Novogratz die massive Lobbyarbeit.

Der Druck auf beide Seiten wächst

Insgesamt hat sich der politische und wirtschaftliche Druck in den vergangenen Tagen spürbar erhöht. Wenn selbst aus dem Umfeld des Weißen Hauses zu hören ist, dass die Geduld mit allen Beteiligten schwindet, dürften die Verhandlungen an Fahrt aufnehmen. Auf der einen Seite stehen die Banken, die ihr seit Jahren äußerst profitables Einlagen- und Zinsmodell durch Stablecoins und neue Krypto-Produkte bedroht sehen. Auf der anderen Seite steht Coinbase, das seinerseits sein eigenes Geschäftsmodell und die wirtschaftlichen Perspektiven des Krypto-Sektors schützen will.

Beide Seiten handeln dabei klar aus Eigeninteresse und mit erheblichem Lobby-Einfluss in Washington. Genau diese gegensätzlichen Interessen machen einen schnellen Durchbruch schwierig. Gleichzeitig steigt jedoch der politische Erwartungsdruck, eine Lösung zu präsentieren.

Der Autor und Analyst Shanaka Anslem Perera beurteilt den Clarity Act mit seinem Status quo als gezielt konstruiertes Schutzgesetz für das traditionelle Bankensystem. Seiner Argumentation zufolge zahlen Banken Einlegern nahezu keine Zinsen, während Stablecoin-Emittenten mit US-Staatsanleihen deutlich höhere Renditen erzielen könnten.

Würden diese Erträge an Nutzer weitergegeben, könnten Banken im Wettbewerb um Einlagen nicht bestehen. Genau das solle verhindert werden. Perera verweist auf Berechnungen der Kansas City Fed, wonach Banken bei wettbewerbsfähigen Stablecoin-Zinsen rund ein Viertel ihrer Einlagen verlieren würden. Statt sich dem Wettbewerb zu stellen, hätten Banken über Lobbyarbeit erreicht, dass Section 404 des Clarity Act Renditen auf Stablecoins faktisch verbietet.

Trump-Administration im Fokus

Die kommenden Tage dürften politisch besonders spannend werden. Denn die Trump-Administration war in der Vergangenheit nicht immer klar auf der Seite der Großbanken, etwa beim Thema Debanking und der Rolle großer Finanzinstitute.

Gerade die Zinsfrage hat dabei eine hohe politische Relevanz: Für viele Amerikaner wäre es äußerst attraktiv, auf ihre Einlagen endlich spürbar höhere Renditen zu erhalten. Sollte das Weiße Haus erkennen, dass Stablecoins hier einen direkten Vorteil für Wähler bringen könnten, könnte das auch den Druck auf Banken deutlich erhöhen.


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Daniel Robrecht

Nach seinem Rechtswissenschaften- und Management-Studium entschied sich Daniel für eine Tätigkeit als freiberuflicher Autor und verfasst mittlerweile seit rund 10 Jahren qualitative Publikationen zu diversen Fachthemen. Als Investor sammelte er jahrelang Erfahrung mit Aktien & Kryptowährungen. Neben einem langfristigen Investitionsansatz... Mehr lesen

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