Seit mehr als einem Jahrzehnt gilt ARK Invest unter der Leitung von Cathie Wood als eines der Wall-Street-Unternehmen, die sich besonders für disruptive Technologien an den Kapitalmärkten interessieren. Mit ihren jährlichen „Big Ideas“-Reports versucht das Research-Team, große technologische Umbrüche frühzeitig einzuordnen und deren wirtschaftliche Tragweite abzuschätzen – oft mit bewusst langfristigem Blick.
Nun ist der Big Ideas Report 2026 erschienen, erneut zeichnet ARK ein Bild tiefgreifender struktureller Veränderungen in Wirtschaft und Finanzsystem.
Neben Künstlicher Intelligenz, Robotik oder Biotechnologie spielen auch digitale Assets eine zentrale Rolle. Mehrere der diesjährigen Thesen sind besonders für Krypto-Anleger relevant, von Bitcoin über Tokenisierung bis hin zu DeFi.
Das Wichtigste im Überblick:
- ARK Invest sieht KI als zentralen Beschleuniger mehrerer konvergierender Technologieplattformen weltweit.
- Die technologische Konvergenz erhöhte 2025 laut ARK ihre Netzwerkstärke um 35 Prozent.
- Bitcoin etabliert sich zunehmend als institutionelles Kern-Asset mit sinkender Volatilität und Drawdowns.
- ETFs und Unternehmen kontrollieren inzwischen rund 12 Prozent des gesamten Bitcoin-Angebots.
- Tokenisierung wuchs 2025 stark, Stablecoin-Volumen übertraf klassische Zahlungssysteme deutlich.
- Ethereum bleibt zentrale Infrastruktur für über 400 Milliarden Dollar tokenisierte On-Chain-Vermögenswerte.
- DeFi-Anwendungen generieren Milliardenumsätze und verdrängen Netzwerke als primäre Wertschöpfungsebene.
Die große Beschleunigung: KI als Wachstumsmotor
Im vorgelagerten Kapitel „The Great Acceleration“ beschreibt ARK Invest 2026 eine Phase, in der technologische Umbrüche nicht mehr isoliert stattfinden, sondern sich gegenseitig verstärken. Im Zentrum steht Künstliche Intelligenz als „Dynamo“, der fünf große Innovationsplattformen gleichzeitig beschleunigt. KI selbst, Public Blockchains, Robotik, Energiespeicher und Multiomics. ARK betont, dass Fortschritte in einer dieser Sphären neue Fähigkeiten in den anderen freischalten, etwa wenn digitale Wallets und Smart Contracts künftig sensiblen Multiomics-Daten kontrollierten Zugriff geben und dadurch bessere neuronale Netze sowie Präzisionstherapien ermöglichen. Die zentrale Kennzahl dafür ist die „Convergence Network Strength“.
Dies ist ein Maß dafür, wie stark disruptive Technologien einander katalysieren. Laut ARK stieg diese Netzwerkstärke 2025 um 35 Prozent. Dies sei ein Signal, dass wir in eine neue Phase der technologischen Kopplung eintreten.
Diese Konvergenz treibt laut ARK einen historisch außergewöhnlichen Investitionszyklus an. In einer langen historischen Perspektive, von Eisenbahn über Elektrifizierung bis zu Software, ordnet ARK den nächsten großen Capex-Schub vor allem in zwei Bereiche ein: KI-Software und KI-Rechenzentren. Parallel entstehe mit Robotaxis ein weiterer Investitionspfad, der nicht nur Mobilität automatisiert, sondern auch volkswirtschaftliche Effekte auslöst.
ARK zeigt, wie disruptive Technologien Wachstum auf mehreren Ebenen erzeugen: Sie beschleunigen Kapitalbildung, erhöhen die Rendite auf eingesetztes Kapital und verwandeln bislang „nicht-marktfähige“ Aktivitäten in messbares BIP. Bei Robotaxis kommt ein zusätzlicher Mechanismus hinzu: Eine höhere Auslastung pro Fahrzeug – ARK spricht von einem potenziellen Faktor acht bei den gefahrenen Meilen – sowie die Verlagerung von privater Fahrzeit hin zu Arbeit oder Freizeit.
Hier erwartet ARK, dass dieser Technologieschub die reale globale Wachstumsrate strukturell anheben kann – nicht als kurzfristiger Boom, sondern als neue makroökonomische Realität.
Bitcoin: Institutionelles Rückgrat einer neuen Assetklasse
Im Big Ideas Report 2026 beschreibt ARK Invest Bitcoin als den klaren Anker einer entstehenden institutionellen Assetklasse. 2025 markierte in dieser Lesart keinen bloßen Bullenmarkt, sondern einen strukturellen Reifeprozess. Ereignisse wie die Genehmigung neuer ETF-Standards in den USA, der Einstieg großer Vermögensverwalter und die Einrichtung staatlicher Bitcoin-Reserven, etwa in Texas, hätten Bitcoin tiefer in das globale Finanzsystem integriert. Gleichzeitig zeigen die Daten von ARK, dass US-ETFs und börsennotierte Unternehmen ihren Anteil am gesamten Bitcoin-Bestand innerhalb eines Jahres von 8,7 auf 12 Prozent erhöht haben. Allein die ETF-Bestände stiegen 2025 um knapp 20 Prozent auf rund 1,29 Millionen BTC, während Unternehmens-Treasuries ihre Reserven um mehr als 70 Prozent ausbauten.
Auffällig ist laut ARK auch die veränderte Risikostruktur. Bitcoin habe 2025 nicht nur viele große Altcoins in der Performance übertroffen, sondern vor allem in der risikobereinigten Rendite, gemessen an der Sharpe Ratio. Seit dem Zyklustief Ende 2022 liege Bitcoin sowohl gegenüber Ethereum und Solana als auch gegenüber dem breiten CoinDesk-10-Index vorn. Gleichzeitig seien die durchschnittlichen Rücksetzer vom Allzeithoch so gering ausgefallen wie nie zuvor. Dies ist ein Hinweis darauf, dass Bitcoin zunehmend Eigenschaften eines „digitalen sicheren Hafens“ annimmt.
Trotz veränderter Annahmen bleibt ARKs langfristige Prognose bemerkenswert stabil. Zwar wurde der adressierbare Markt für die „Digital-Gold“-These nach dem starken Anstieg der Gold-Marktkapitalisierung um 37 Prozent nach oben angepasst, während die Rolle als Fluchtwährung in Schwellenländern wegen der raschen Stablecoin-Adoption geringer gewichtet wird.
In Summe ändert das aber wenig am Gesamtbild: ARK erwartet, dass Bitcoin bis 2030 den Großteil eines auf rund 28 Billionen US-Dollar wachsenden Digital-Asset-Marktes ausmachen könnte.
„Basierend auf der Prognose von ARK wird Bitcoin wahrscheinlich die Marktkapitalisierung für Kryptowährungen dominieren und in den nächsten fünf Jahren mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate (CAGR) von ~63 % von fast ~2 Billionen US-Dollar auf ~16 Billionen US-Dollar bis 2030 steigen.“
Tokenisierung: Billionen kommen auf die Blockchain
Im Big Ideas Report 2026 zeichnet ARK Invest das Bild eines Finanzsystems, das beginnt, seine schwerfällige Infrastruktur gegen programmierbare, globale Blockchains einzutauschen. Der zentrale Treiber dieser Entwicklung sind Stablecoins und tokenisierte Real-World Assets. Seit der Verabschiedung des GENIUS Act habe die regulatorische Klarheit in den USA eine Welle neuer Initiativen ausgelöst: Banken, Fintechs und Zahlungsriesen kündigten eigene Stablecoins an, während Unternehmen wie BlackRock offen über firmeneigene Tokenisierungsplattformen sprechen.
Parallel dazu entstanden spezialisierte Blockchains wie Stripes Tempo oder Tethers Plasma, die gezielt auf den Transfer tokenisierter Dollar und Wertpapiere ausgelegt sind. Die Folgen sind bereits messbar: Allein im Dezember 2025 erreichte das bereinigte Stablecoin-Transaktionsvolumen rund 3,5 Billionen US-Dollar und lag damit mehr als doppelt so hoch wie das kombinierte Volumen von Visa, PayPal und klassischen Remittance-Systemen.
Auch der Markt für tokenisierte Real-World Assets hat 2025 einen Sprung gemacht. Laut ARK stieg der Gesamtwert um 208 Prozent auf knapp 19 Milliarden US-Dollar. Den größten Anteil stellten tokenisierte US-Staatsanleihen, angeführt vom 1,7 Milliarden Dollar schweren BUIDL-Geldmarktfonds von BlackRock. Bei Rohstoffen dominierten tokenisiertes Gold von Tether und Paxos, während auch Aktien und andere Finanzinstrumente erstmals relevante Volumina erreichten.
Technologisch bleibt Ethereum dabei der zentrale Umschlagplatz. Auf Ethereum liegen inzwischen über 400 Milliarden US-Dollar an On-Chain-Vermögenswerten, deutlich mehr als auf allen anderen Netzwerken. Für ARK ist das aber erst der Anfang. Bis 2030 könnte der Markt für tokenisierte Assets auf über 11 Billionen US-Dollar wachsen. Vor allem Bankeinlagen, Aktien und Anleihen gelten als nächste große Welle.
DeFi-Anwendungen: Profitabler geht’s nicht
Im Big Ideas Report 2026 beschreibt ARK Invest einen grundlegenden Machtwechsel innerhalb der Kryptoökonomie. Die Wertschöpfung verlagert sich von den Basisschichten der Netzwerke hin zu den Anwendungen. Blockchains wie Ethereum oder Solana entwickeln sich zunehmend zu neutralen Infrastrukturen. Dies sei vergleichbar mit digitalen Versorgungsnetzen. Derweil entstehen die eigentlichen Margen und Nutzerbeziehungen bei den Applikationen.
Diese Verschiebung ist bereits in den Zahlen sichtbar. 2025 erreichten die Umsätze von Krypto-Anwendungen laut ARK mit insgesamt rund 3,8 Milliarden US-Dollar ein neues Allzeithoch. Diese Entwicklung wurde angeführt von Plattformen wie Hyperliquid, Pump.fun und PancakeSwap. Allein der Januar 2025 steuerte rund ein Fünftel dieses Jahresumsatzes bei. Inzwischen generieren mehr als 70 Protokolle monatlich über eine Million Dollar wiederkehrende Einnahmen.
Parallel dazu nähern sich DeFi-Plattformen in ihrer Größenordnung klassischen Fintechs an. Bei den verwalteten Vermögenswerten holen Protokolle für Lending, Borrowing oder Liquid Staking sichtbar auf. Jedes der 50 größten DeFi-Projekte verwaltet heute mehr als eine Milliarde US-Dollar, die größten sogar über fünf Milliarden. Für ARK ist das ein Zeichen dafür, dass institutionelles Kapital zunehmend on-chain arbeitet und die Trennlinie zwischen traditioneller Finanzwelt und Krypto-Infrastruktur verschwimmt.
Besonders eindrucksvoll ist die Produktivität einzelner On-Chain-Unternehmen. Hyperliquid erwirtschaftete 2025 mit weniger als 15 Mitarbeitern über 800 Millionen US-Dollar Umsatz. Damit übertrifft die Perpetuals-DEX selbst Tech-Giganten beim Umsatz pro Kopf deutlich. Auch Tether und Pump.fun gehören laut ARK zu den effizientesten Unternehmen der Welt. Gleichzeitig gewinnen dezentrale Derivatebörsen Marktanteile gegenüber zentralisierten Anbietern wie Binance, angeführt von Hyperliquid im Perpetual-Futures-Segment.
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