Ethereum notiert aktuell bei rund 1.600 US-Dollar und bleibt damit klar unter Druck. Vom Allzeithoch hat ETH inzwischen rund zwei Drittel seines Werts verloren. Der Bärenmarkt ist intakt, bullisches Momentum fehlt weiterhin. Zuletzt dominierte erneut massiver Verkaufsdruck, während wichtige Unterstützungen immer stärker wackeln.

Charttechnisch sieht das Bild damit kurzfristig alles andere als überzeugend aus. Die Bären haben aktuell klar die Kontrolle, weitere Tiefs bleiben möglich. Besonders kritisch ist, dass Ethereum laut einem bekannten Trader nun sogar eine langfristige Formation nach unten verlassen haben soll. Dennoch muss ein solcher Bruch nicht zwangsläufig das Ende bedeuten. Denn genau daraus könnte sich langfristig auch eine antizyklische Chance ergeben.

Das Wichtigste im Überblick:

  • Ethereum unter 0,8-MVRV-Band signalisiert historisch attraktive langfristige Kaufgelegenheiten für Anleger.
  • Golden-Triangle-Bruch wirkt bärisch, markierte historisch jedoch massive Trendwenden langfristig.
  • Erste Ethereum-Abflüsse von Börsen könnten kurzfristig Verkaufsdruck etwas reduzieren.
  • Trotz Bärenmarkt verdichten On-Chain-Daten Hinweise auf Bodenbildung zunehmend.

Ethereum: Wiederholt sich jetzt das historische 30x-Setup?

Der Trader Merlijn The Trader verweist aktuell auf eine langfristige Chartformation, die er als „Golden Triangle“ bezeichnet. Gemeint ist eine mehrjährige Struktur, die Ethereum seit dem letzten Zyklus begleitet haben soll. Nach seiner Lesart hat ETH diese Formation nun nach unten gebrochen. Kurzfristig ist das klar bärisch, weil ein solcher Bruch häufig zusätzlichen Verkaufsdruck auslöst und weitere Tiefs begünstigen kann.

Spannend wird die Analyse jedoch durch den historischen Vergleich. Denn laut dem Trader gab es einen ähnlichen Bruch bereits während des Corona-Crashs im Jahr 2020. Damals fiel Ethereum zeitweise auf rund 100 US-Dollar zurück. Im Anschluss folgte jedoch keine dauerhafte Schwäche, sondern eine massive Rallye. ETH stieg in der Folge bis auf rund 4.800 US-Dollar und vervielfachte sich damit um etwa das 30-Fache.

Genau hierin sieht Merlijn nun die mögliche Parallele. Der aktuelle Bruch wirkt zunächst gefährlich, könnte aber langfristig eine Kapitulationsphase markieren. Solche Phasen entstehen häufig dann, wenn Anleger endgültig das Vertrauen verlieren, der Trend extrem negativ aussieht und kaum jemand mehr mit einer schnellen Erholung rechnet. Historisch waren genau diese Momente bei Ethereum jedoch oft besonders attraktive Einstiegszonen.

Natürlich ist das kein sicherer Fahrplan. Der Markt 2026 unterscheidet sich deutlich von 2020, zudem bleibt der Abwärtstrend kurzfristig intakt. Erst eine Stabilisierung und Rückeroberung wichtiger Kursbereiche würde das bullische Szenario bestätigen. Dennoch zeigt der Vergleich: Gerade wenn Ethereum charttechnisch besonders schwach aussieht, könnten sich für langfristige Anleger Chancen ergeben.

Ethereum-Metrik signalisiert langfristige Akkumulationszone

Neben den schwachen Kursverläufen gibt es aktuell auch einige On-Chain-Indikatoren, die für langfristig orientierte Anleger interessant werden. Einer davon sind die sogenannten MVRV Pricing Bands, auf die der bekannte Analyst Ali Martinez verweist. Die MVRV-Kennzahl („Market Value to Realized Value“) setzt die aktuelle Marktkapitalisierung von Ethereum ins Verhältnis zum realisierten Wert aller Coins im Netzwerk. Vereinfacht gesagt zeigt die Metrik, ob Ethereum im historischen Vergleich eher überbewertet oder unterbewertet gehandelt wird.

Besonders relevant ist dabei aktuell die sogenannte 0,8-MVRV-Band. Historisch markierte dieser Bereich häufig Phasen, in denen Ethereum deutlich unter seinem fairen Wert gehandelt wurde. Immer dann, wenn ETH in diese Zone oder sogar darunter fiel, entstanden langfristig attraktive Einstiegsgelegenheiten. Auf dem Chart sind mehrere Beispiele aus den Jahren 2018, 2020 und 2022 zu erkennen. Nach diesen Phasen folgten regelmäßig starke Erholungsbewegungen.

Derzeit notiert Ethereum erneut unter dieser wichtigen Schwelle. Laut den aktuellen Daten liegt die 0,8-MVRV-Band bei rund 1.828 US-Dollar, während ETH darunter gehandelt wird. Genau deshalb bezeichnet Ali Martinez die aktuelle Situation als „High-Probability Long-Term Accumulation Zone“.

Wichtig bleibt jedoch die Unterscheidung zwischen kurzfristiger und langfristiger Perspektive. Die Metrik sagt nicht aus, dass Ethereum unmittelbar seinen Boden gefunden hat. Weitere Rücksetzer bleiben möglich. Historisch deutete ein Aufenthalt unter der 0,8-MVRV-Band jedoch häufig darauf hin, dass ein Großteil der Überbewertung bereits abgebaut wurde und sich das Chance-Risiko-Verhältnis für langfristige Investoren deutlich verbessert hat. Für geduldige Anleger könnte die aktuelle Schwächephase daher eher eine Akkumulationschance als ein Warnsignal darstellen.

Ethereum-Börsenflüsse: Erste Entspannung beim Verkaufsdruck?

Eine weitere interessante On-Chain-Metrik ist aktuell die „Exchange Net Position Change“ von Glassnode. Sie misst, ob netto mehr Ethereum auf zentrale Börsen eingezahlt oder von diesen abgezogen wird. Steigende Zuflüsse gelten meist als potenziell bärisch, da Anleger ihre Coins häufig auf Handelsplattformen transferieren, um sie dort zu verkaufen. Abflüsse deuten dagegen oftmals auf Akkumulation hin, weil Investoren ihre ETH in private Wallets oder Staking-Lösungen verschieben.

In den vergangenen Wochen dominierte zunächst ein deutlicher Zufluss auf die Börsen. Das passte zum schwachen Marktumfeld und dem anhaltenden Abwärtstrend bei Ethereum. In den letzten Tagen zeigt die Metrik jedoch eine leichte Veränderung. Erstmals seit längerer Zeit sind wieder verstärkt negative Werte zu erkennen, was auf Netto-Abflüsse von den Handelsplattformen hindeutet.

eth

Noch ist daraus allerdings kein eindeutiger Trend ableitbar. Die Größenordnung bleibt überschaubar und eine nachhaltige Akkumulationsphase lässt sich bisher nicht bestätigen. Dennoch könnte die Entwicklung kurzfristig für etwas Entspannung sorgen. Wenn weniger ETH auf Börsen zum Verkauf bereitsteht, nimmt potenziell auch der unmittelbare Angebotsdruck ab.

Für eine echte Trendwende wären jedoch deutlich stärkere und über mehrere Wochen anhaltende Abflüsse notwendig. Aktuell liefert die Metrik daher eher ein erstes Stabilisierungssignal als einen klaren bullischen Impuls. Dennoch passt die Entwicklung zu anderen On-Chain-Daten, die darauf hindeuten, dass Ethereum sich zunehmend einer langfristig interessanten Bewertungszone nähert.


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Christoph Peterson
Christoph Peterson
Krypto Redakteur

Vor einigen Jahren hat Christoph das Thema Kryptowährungen für sich entdeckt und ist seither leidenschaftlich als Autor und Enthusiast in diesem Bereich aktiv. Sein Interesse gilt vor allem den Themen Kryptowährungen, Blockchain-Technologie und Security Token Offerings (STOs). Als regelmäßiger Autor... Mehr lesen

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