Der Kryptomarkt startet mit deutlicher Schwäche in die neue Handelswoche. Bitcoin fällt erneut unter wichtige Unterstützungen, während Altcoins teils noch stärker unter Druck geraten. Besonders Ethereum zeigt sich angeschlagen: Der Kurs verliert zwischenzeitlich mehr als drei Prozent und rutscht wieder auf rund 2.100 US-Dollar ab.
Damit scheitert ETH vorerst erneut am nachhaltigen Ausbruch aus der seit Wochen dominierenden Seitwärtsrange. Einige Trader warnen bereits davor, dass sich der übergeordnete Abwärtstrend nun fortsetzen könnte. Gleichzeitig rücken neue Belastungsfaktoren stärker in den Fokus. Vor allem steigende Ölpreise und deutlich anziehende Anleiherenditen gelten laut mehreren Marktbeobachtern aktuell als erheblicher Gegenwind für Risiko-Assets wie Kryptowährungen.
Das Wichtigste im Überblick:
- Ölpreis belastet Ethereum kurzfristig, langfristig bleibt Tom Lee bullisch.
- Anleihenrenditen springen weiter an, Makro-Stress belastet Kryptowährungen.
- Ethereum-Börsenzuflüsse erinnern an Januar-Crash.
Ölpreis belastet Ethereum laut Tom Lee massiv
Der bekannte Fundstrat-Analyst Tom Lee sieht aktuell vor allem den Ölmarkt als kurzfristig größten Belastungsfaktor für Ethereum. In mehreren aktuellen Beiträgen verweist Lee darauf, dass die inverse Korrelation zwischen ETH und dem Ölpreis derzeit so stark sei wie nie zuvor. Konkret bedeutet das: Steigende Ölpreise gehen momentan mit fallenden Ethereum-Kursen einher. Laut Lee habe insbesondere der starke Anstieg bei WTI-Futures in den vergangenen sechs Wochen erheblichen Druck auf ETH ausgelöst.
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If one is wondering why Ethereum $ETH has been under selling pressure:– to me, rising oil prices is the biggest headwind
– ETH inverse correlation to oil is the highest ever pic.twitter.com/G5Uw0wbtJP— Thomas (Tom) Lee (not drummer) FundstratDirect.com (@fundstrat) May 18, 2026
Dabei verweist er auf historische Daten von Bloomberg und Fundstrat, die zeigen sollen, dass die negative Korrelation zuletzt auf Rekordniveau gestiegen ist. Während die geopolitischen Spannungen rund um den Nahen Osten erneut zunehmen und der Ölpreis dadurch weiter anzieht, geraten laut Lee insbesondere Wachstums- und Risiko-Assets unter Druck. Ethereum sei hiervon derzeit besonders betroffen.
Interessant ist dabei jedoch seine mittelfristige Einschätzung. Tom Lee bezeichnet die aktuelle Entwicklung ausdrücklich als „short-term tactical noise“. Die strukturellen Treiber für Ethereum würden seiner Meinung nach weiterhin intakt bleiben. Besonders verweist er dabei auf die Bereiche Tokenisierung und Agentic AI. Beide Narrative könnten Ethereum langfristig deutlich stärken und neue Nachfrage erzeugen. Kurzfristig dominieren jedoch Makrofaktoren. Sollte sich der Ölpreis wieder beruhigen oder sogar zurückfallen, könnte sich laut Lee auch Ethereum schnell stabilisieren und eine Gegenbewegung starten.
Renditen explodieren – Anleihemarkt wird zum Risiko für Kryptos
Neben dem Ölpreis geraten aktuell auch die US-Anleihemärkte massiv in den Fokus der Anleger. Der bekannte Makro-Account Kobeissi Letter warnte zuletzt vor einer dramatischen Entwicklung bei den US-Renditen. Die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe stieg zuletzt auf 4,63 Prozent und erreichte damit den höchsten Stand seit Februar 2025. Besonders brisant: Laut Kobeissi liegt die Rendite inzwischen sogar über dem Niveau, das im April 2025 die damalige „90-day tariff pause“ von Donald Trump ausgelöst hatte.
It simply won't stop.
It is Sunday night and the US 10Y Note Yield just casually hit 4.63%, the highest since February 2025.
We are now ~4 basis points ABOVE the high that prompted President Trump's "90-day tariff pause" in April 2025.
This puts the 10Y Note Yield up +70 basis… pic.twitter.com/SGjFmq8ieo
— The Kobeissi Letter (@KobeissiLetter) May 18, 2026
Seit dem Beginn der neuen Iran-Krise seien die Renditen laut Kobeissi bereits um rund 70 Basispunkte gestiegen. Gleichzeitig nähern sich US-Hypothekenzinsen erneut der Marke von sieben Prozent. Der Markt preist inzwischen kaum noch Zinssenkungen für 2026 ein. Zeitweise lagen die Erwartungen für weitere Rate Cuts laut Marktpreisen nur noch bei rund zwei Prozent Wahrscheinlichkeit.
Für Kryptowährungen ist diese Entwicklung problematisch. Steigende Renditen erhöhen die Attraktivität sicherer Staatsanleihen und entziehen spekulativen Anlagen Liquidität. Besonders Tech-Werte und Krypto-Assets reagieren historisch empfindlich auf stark steigende Finanzierungskosten. Zudem sorgen höhere Ölpreise parallel für zusätzlichen Inflationsdruck, was die Hoffnung auf schnelle Lockerungen der Geldpolitik weiter schwächt.
Gerade Ethereum steht aktuell zwischen mehreren Belastungsfaktoren gleichzeitig. Während geopolitische Risiken, Ölpreise und Renditen steigen, fehlt dem Markt momentan das Momentum für einen nachhaltigen Ausbruch nach oben. Entsprechend vorsichtig positionieren sich derzeit viele kurzfristig orientierte Trader.
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Ethereum-Börsendaten senden Warnsignal
Eine aktuell viel beachtete Onchain-Metrik ist die sogenannte „Exchange Net Position Change“. Sie misst, ob mehr Ethereum auf zentrale Börsen transferiert oder von dort abgezogen wird. Steigen die Zuflüsse auf Exchanges deutlich an, gilt das oft als potenziell bearishes Signal. Der Grund: Viele Anleger senden ihre Coins an Börsen, um sie dort möglicherweise zu verkaufen. Abflüsse dagegen sprechen meist eher für langfristiges Halten und geringeren Verkaufsdruck.
Genau hier zeigt sich nun eine auffällige Entwicklung. Laut aktuellen Glassnode-Daten verzeichnet Ethereum seit rund zwei Wochen wieder massive Nettozuflüsse auf zentrale Handelsplattformen. Besonders bemerkenswert ist dabei die Größenordnung. Vergleichbar starke Zuflüsse gab es zuletzt im Dezember und Januar. Kurz darauf folgte damals eine deutliche Korrektur von mehr als 30 Prozent beim ETH-Kurs.
Entsprechend wächst nun die Nervosität am Markt. Einige Trader befürchten, dass Ethereum den bisherigen Boden erneut testen könnte. Andere sehen sogar das Risiko, dass sich der übergeordnete Abwärtstrend fortsetzt. Belastend wirken dabei nicht nur die Börsendaten selbst, sondern auch das aktuelle Makroumfeld.
Steigende Ölpreise, anziehende US-Renditen und die Unsicherheit rund um die Geldpolitik sorgen zusätzlich für Druck auf Risiko-Assets. Die Kombination aus schwachem Marktumfeld und steigenden ETH-Zuflüssen auf Börsen wird daher derzeit von vielen Analysten als Warnsignal interpretiert.
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