Bitcoin notiert weiterhin deutlich unter seinem Allzeithoch und liegt aktuell mehr als 40 Prozent darunter – ein klares Signal dafür, dass der übergeordnete Bärenmarkt weiterhin intakt ist. In der Vergangenheit haben Analysten immer wieder versucht, mithilfe verschiedener Indikatoren die Marktzyklen besser zu verstehen, Wendepunkte zu identifizieren und zukünftige Entwicklungen abzuleiten.

Besonders makroökonomische Daten spielten dabei eine zentrale Rolle.

Einer der bekanntesten Indikatoren ist der ISM-Index (Institute for Supply Management), der die wirtschaftliche Aktivität im US-Industriesektor misst. Werte über 50 signalisieren Expansion, während Werte unter 50 auf eine Schrumpfung hindeuten.

Historisch gab es eine auffällige Korrelation zwischen Bitcoin und dem ISM – doch genau diese scheint nun zu brechen. Neue Daten und Bitcoin Prognosen zeigen, dass sich das Marktverhalten verändert haben könnte.

Das Wichtigste im Überblick:

  • Bitcoins Korrelation mit dem ISM-Index scheint gebrochen, Liquidität rückt in den Fokus.
  • Nach Raoul Pal reagiert Bitcoin langfristig weiterhin maßgeblich auf Liquidität im Finanzsystem.
  • Futures-Daten zeigen fragilen Markt, weitere Abverkäufe scheinen denkbar.

Bitcoin-Korrelation gebrochen: Raoul Pal stellt alte Modelle infrage

Die jüngsten Analysen von Real Vision und Makro-Experte Raoul Pal sorgen aktuell für Aufsehen. Denn ein lange beobachtetes Muster scheint nicht mehr zu funktionieren: die Korrelation zwischen Bitcoin und dem ISM-Index. Während der ISM von 48,8 im Oktober auf zuletzt 52,7 gestiegen ist – also klar in den expansiven Bereich – fiel Bitcoin im gleichen Zeitraum um rund 50 Prozent. Historisch wäre eigentlich das Gegenteil zu erwarten gewesen: steigende wirtschaftliche Aktivität hätte typischerweise auch risikobehaftete Assets wie Bitcoin gestützt.

Die bereitgestellten Charts zeigen deutlich, dass diese Beziehung über Jahre hinweg Bestand hatte – insbesondere in früheren Zyklen wie 2017 oder 2021. Doch aktuell erleben wir eine klare Entkopplung. Laut Real Vision ist dies kein Zufall, sondern ein struktureller Wandel im Markt. Die These: Bitcoin reagiert nicht mehr primär auf klassische Konjunkturdaten, sondern auf einen viel wichtigeren Treiber – globale Liquidität.

Diese Beobachtung wird durch die langfristige Analyse gestützt, die bis ins Jahr 2013 zurückreicht. Dabei zeigt sich, dass Bitcoin in Phasen expansiver Liquidität besonders stark performt – unabhängig davon, was einzelne Wirtschaftsindikatoren signalisieren. Der ISM war möglicherweise nie der eigentliche Treiber, sondern lediglich ein indirekter Proxy für Liquidität. Sobald sich diese Zusammenhänge verändern, verliert auch die Korrelation ihre Aussagekraft.

Der neue (alte) Fokus: Liquidität als entscheidender Treiber

Statt auf klassische Wirtschaftsindikatoren richtet Raoul Pal den Blick nun klar auf die globale Liquidität. Gemeint ist damit vor allem die Entwicklung der Geldmenge (wie M2), die Stärke des US-Dollars sowie die allgemeine Verfügbarkeit von Kapital im Finanzsystem. Seine These ist eindeutig: Bitcoin ist kein klassisches Risk-Asset und auch kein sicherer Hafen – sondern ein reines Liquiditäts-Asset.

Aktuell sprechen einige Faktoren für eine zunehmende Liquidität: Eine Abschwächung des US-Dollars, steigende globale Geldmengen und eine potenziell lockerere Geldpolitik könnten mittelfristig wieder Kapital in risikobehaftete Märkte treiben. Genau hier sieht Pal enormes Potenzial. Seiner Einschätzung nach müsste Bitcoin unter diesen Bedingungen eigentlich bereits deutlich höher notieren – er nennt sogar ein Niveau von 140.000 US-Dollar als fairen Wert im aktuellen Umfeld.

Das Entscheidende: Bitcoin reagiert oft verzögert auf Liquiditätsveränderungen. Während sich die makroökonomischen Rahmenbedingungen bereits verbessern könnten, spiegelt sich dies noch nicht vollständig im Preis wider.

Für viele Analysten ist das ein Hinweis darauf, dass Bitcoin aktuell eher unterbewertet sein könnte – vorausgesetzt, die Liquidität entwickelt sich weiter positiv.

CryptoQuant warnt: Marktstruktur bleibt fragil

Trotz der potenziell bullischen Liquiditätsentwicklung mahnen On-Chain-Daten zur Vorsicht. Eine aktuelle Analyse von CryptoQuant zeigt, dass der Bitcoin-Markt derzeit strukturelle Schwächen aufweist. Besonders auffällig ist die Entwicklung im Bereich der CME-Futures: Das Open Interest ist stark angestiegen und konzentriert sich zunehmend auf kurzfristige Kontrakte.

Diese Struktur deutet darauf hin, dass der Markt aktuell stark von gehebelten Positionen dominiert wird – und weniger von echter Spot-Nachfrage. Das macht Bitcoin anfällig für plötzliche Liquidationen und verstärkt die Volatilität. Kommt es zu externen Schocks – wie zuletzt durch geopolitische Spannungen rund um den Iran oder Aussagen von Donald Trump – können Kettenreaktionen ausgelöst werden.

Die Analyse zeigt zudem mögliche Worst-Case-Szenarien auf: In einem moderaten Stressumfeld könnte Bitcoin auf 50.000 US-Dollar fallen. Sollte sich die Situation weiter zuspitzen und die Liquidität global zurückgehen, wären sogar Kurse zwischen 20.000 und 30.000 US-Dollar denkbar. In extremen Szenarien wird sogar ein Rückgang auf 10.000 US-Dollar nicht ausgeschlossen.

Die Kernaussage bleibt jedoch konsistent mit Raoul Pals These: Bitcoin ist kein sicherer Hafen – sondern ein hochsensibler Liquiditätsindikator. Genau das macht ihn gleichzeitig riskant und chancenreich.


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Christoph Peterson
Christoph Peterson
Krypto Redakteur

Vor einigen Jahren hat Christoph das Thema Kryptowährungen für sich entdeckt und ist seither leidenschaftlich als Autor und Enthusiast in diesem Bereich aktiv. Sein Interesse gilt vor allem den Themen Kryptowährungen, Blockchain-Technologie und Security Token Offerings (STOs). Als regelmäßiger Autor... Mehr lesen

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