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Die Bitcoin-Hashrate befindet sich im freien Fall. Innerhalb einer Woche ist die globale Rechenleistung des Netzwerks um rund 8 % auf 920 EH/s eingebrochen – und als Haupttreiber gilt der eskalierte Iran-Konflikt, der die globalen Energiemärkte in Aufruhr versetzt. Der Bitcoin-Kurs notiert derweil unter 71.200 US-Dollar, rund 5 % unterhalb des Wochenhochs vom 16. März, als er kurzzeitig bis auf 74.416 US-Dollar gestiegen war.
Bemerkenswert ist die Gleichzeitigkeit beider Bewegungen: Während der Marktpreis nachgibt, steigen die Produktionskosten vieler Miner weiter an. Laut verfügbaren Schätzungen liegen die durchschnittlichen Förderkosten pro Bitcoin aktuell bei rund 87.000 US-Dollar – weit oberhalb des aktuellen Marktpreises. Genau diese Schere zwischen Kosten und Erlös ist das Fundament einer möglichen Kapitulationsphase.
Das Wichtigste im Überblick:
- Die Bitcoin-Hashrate fiel in der vergangenen Woche um rund 8 % auf 920 EH/s – der zweite signifikante Einbruch innerhalb von sechs Wochen.
- Der Iran-Konflikt treibt die globalen Energiepreise in die Höhe und erhöht damit die operativen Kosten im Bitcoin Mining direkt.
- Ein Difficulty-Adjustment von etwa -8 % steht um den 25. März bevor – einer der größten negativen Anpassungen der letzten fünf Jahre.
- Historisch koinzidieren solche Miner-Kapitulationsphasen häufig mit zyklischen Preistiefs, erhöhen aber kurzfristig den Verkaufsdruck erheblich.
Iran-Krieg und Ölpreisschock: Der direkte Transmissionskanal in die Mining-Kosten
Der Mechanismus ist bekannt, aber diesmal wirkt er besonders scharf. US-amerikanische und israelische Luftangriffe auf iranische Energieinfrastruktur – darunter das Südpars-Gasfeld – haben die globalen Rohölpreise und die Großhandelspreise für Erdgas nach oben getrieben. Steigende Energiepreise wirken für Bitcoin-Miner wie eine direkte Betriebssteuer: Elektrizitätskosten machen den größten Einzelposten in der Mining-Kalkulation aus, häufig 60 bis 80 % der variablen Kosten.
Besonders exponiert sind Miner in Regionen, deren Strompreise direkt an Gas- oder Ölmärkte gekoppelt sind. Laut CoinDesk-Daten operieren schätzungsweise 8 bis 10 % der globalen Bitcoin-Mining-Kapazität in energiesensitiven Märkten, die unmittelbar auf Nahost-Eskalationen reagieren. Iran selbst trug nach Schätzungen des Hashrate Index zuletzt nur etwa 0,8 % zur globalen Rechenleistung bei – allerdings schwanken die Schätzungen anderer Analysten deutlich, bis zu 15 % werden genannt.
Analyst Shanaka Anslem Perera veranschlagte Irans Anteil auf 2 bis 5 %, was 20 bis 50 EH/s entspräche. Selbst ein vollständiger Ausfall iranischer Mining-Kapazitäten wäre für das Netzwerk technisch verkraftbar, wie Chinas Mining-Verbot im Jahr 2021 zeigte, als rund 50 % der globalen Hashrate nahezu über Nacht wegfielen und das Netzwerk sich dennoch stabilisierte.
Die eigentliche Gefahr geht diesmal nicht von Iran aus, sondern von den globalen Energiemärkten insgesamt. Wie bereits im Kontext des Ölpreisschocks durch die Nahost-Eskalation analysiert, können steigende Rohstoffpreise Mining-Margen auch in Nordamerika und Europa empfindlich treffen.
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Hashrate-Einbruch und Difficulty-Adjustment: Was die Netzwerkdaten signalisieren
Die Hashrate misst die gesamte Rechenleistung, die Miner weltweit zur Validierung von Transaktionen und zum Finden neuer Blöcke einsetzen. Ein Rückgang bedeutet, dass Miner ihre Anlagen abschalten – entweder weil die Betriebskosten den Erlös übersteigen oder weil externe Faktoren wie Energieausfälle dies erzwingen. Das Bitcoin-Netzwerk reagiert auf solche Verschiebungen automatisch: Alle rund 2.016 Blöcke, ungefähr alle zwei Wochen, wird die Mining Difficulty angepasst.
Laut mempool.space steht dem Netzwerk nun eine Difficulty-Anpassung von etwa -8 % bevor, die voraussichtlich um den 25. März wirksam wird. Das wäre die zweitgrößte negative Anpassung der vergangenen fünf Jahre – und folgt auf einen bereits massiven Rückgang Mitte Februar, der damals als größter Einbruch seit 2021 galt.
Quelle: Blockchain
Zum Vergleich: Das bisherige März-Hoch der Hashrate lag bei rund 1.083 EH/s; der aktuelle Wert von 920 EH/s entspricht einem Rückgang von knapp 15 % gegenüber diesem Hochpunkt. Eine sinkende Difficulty macht das Schürfen für verbleibende Miner vorübergehend günstiger und kann so stabilisierend wirken – sie beseitigt aber nicht den fundamentalen Kostendruck.
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Miner-Kapitulation: Droht eine neue Verkaufswelle?
Genau hier liegt das eigentliche Risiko für den Bitcoinkurs. Wenn Miner nicht mehr profitabel arbeiten können, liquidieren sie ihre BTC-Bestände, um laufende Kosten – Strom, Personal, Finanzierungen – zu decken. Dieser Verkaufsdruck kommt zu einem ungünstigen Zeitpunkt: Die Miner-Reserven befinden sich Analysen zufolge bereits auf dem niedrigsten Stand seit über einem Jahrzehnt, was auf anhaltenden Abgabedruck hindeutet.
Öffentlich gehandelte Mining-Unternehmen reagieren unterschiedlich. Einige diversifizieren in KI-Computing und High-Performance-Infrastruktur, um die Abhängigkeit vom Bitcoin-Kurs zu reduzieren. Andere verkaufen ihre BTC-Positionen aktiv ab, was den Kurs zusätzlich belastet. Wie das Beispiel American Bitcoin Corp zeigt, stehen Mining-Unternehmen aktuell unter massivem strukturellen Druck, der weit über den geopolitischen Moment hinausreicht.
Historisch häufig markierten Miner-Kapitulationsphasen zyklische Tiefpunkte – etwa im Sommer 2022, als der Hash Ribbons-Indikator ein klares Kapitulationssignal sendete, dem Monate später eine kräftige Erholung folgte. Die Krypto-Marktanalyse der aktuellen Lage zeigt jedoch, dass diesmal mehrere Belastungsfaktoren gleichzeitig wirken: fallende Hashrate, Energiepreise auf erhöhtem Niveau und makroökonomischer Gegenwind durch schwache US-Inflationsdaten.
Marktkontext und Schlüsselvariablen: Was Anleger jetzt beobachten sollten
BitMEX-Mitgründer Arthur Hayes äußerte sich in einem Podcast-Interview vorsichtig: Er würde in der aktuellen Eskalationsphase keine neuen US-Dollar-Positionen in Bitcoin aufbauen und schloss einen Rückfall unter 60.000 US-Dollar nicht aus, der Liquidationen in der gehebelten Futures-Szene auslösen könnte. Bloomberg-Analyst Mike McGlone verwies auf Bitcoins weiterhin hohe Korrelation zu Risikoassets wie US-Aktien – eine Konstellation, die in einem Stagflationsszenario historisch ungünstig war.
Auf der anderen Seite steht die Netzwerkresilienz: Das bevorstehende Difficulty-Adjustment entlastet die verbleibenden Miner, und ein De-Eskalationssignal aus der Region könnte die Energiepreise schnell zurückbringen. Die relevanten Marker für die nächsten Tage sind die Difficulty-Anpassung um den 25. März, neue US-Inflationsdaten sowie mögliche Veränderungen im Ölpreis als Frühindikator für die Energiekostensituation der Miner.
Für deutsche Anleger gilt dabei ein zusätzlicher Hinweis: Wer Bitcoin hält und über eine Haltefrist von weniger als einem Jahr verfügt, realisiert bei einem erzwungenen Verkauf steuerlich relevante Gewinne oder Verluste – die aktuell erhöhte Volatilität macht eine genaue Dokumentation der Anschaffungszeitpunkte besonders wichtig.
Ob die Kapitulationsphase bereits abgeschlossen ist oder gerade erst beginnt, wird sich nicht an einer einzelnen Kerze ablesen lassen. Entscheidend ist, wie lange die Energiepreise auf dem erhöhten Niveau verharren – denn erst wenn die Betriebskosten wieder unter den Marktpreis fallen, endet der strukturelle Verkaufsdruck aus dem Mining-Sektor.
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