Der Kryptomarkt ist geübt darin, laut zu sein. Auf jede technische Neuerung folgt ein Narrativ, auf jede Rallye ein Schwall aus Prognosen, und auf jeden Crash eine neue Runde Schuldzuweisungen. Was jedoch auffällig oft fehlt, ist Einordnung: Welche Personen, Projekte und Ideen haben Substanz, und welche verschwinden, sobald der nächste Zyklus dreht? Genau an dieser Stelle setzt CCN an. Das Medienhaus hat am 27. Januar 2026 erstmals ein eigenes Ranking veröffentlicht, die „Top 101 in Crypto & Blockchain“. Es soll nicht den kurzfristigen Lärm messen, sondern den langfristigen Einfluss – und damit eine Art Kompass für eine Branche liefern, die sich gerade von der Experimentierphase in Richtung institutioneller Normalität bewegt.

Worum es CCN geht: Einfluss statt Popularität

Im Kern geht es um eine Frage, die für Anleger zunehmend wichtiger wird: Wer baut die Infrastruktur, die in drei, fünf oder zehn Jahren noch relevant ist? CCN beschreibt das Projekt als redaktionelle Initiative, die Menschen, Projekte und Trends identifizieren will, welche die Branche „heading into 2026“ nachhaltig formen. Das Ranking wird nicht auf einen Schlag veröffentlicht, sondern als fortlaufende Serie: Über das Jahr 2026 hinweg erscheinen Profile, die von Platz 101 bis Platz 1 herunterzählen. Bereits drei Einträge sind veröffentlicht, was dem Projekt von Beginn an eine nachvollziehbare Struktur gibt. Leser sollen nicht nur ein Endergebnis konsumieren, sondern die Argumente verstehen, warum ein Akteur oder ein Konzept aufgenommen wurde.

Warum das für Investoren spannend ist

Für Investoren ist diese Form der Veröffentlichung mehr als ein redaktioneller Kunstgriff. Eine gestaffelte Veröffentlichung zwingt dazu, einzelne Bausteine der Kryptoökonomie isoliert zu betrachten: Wer setzt Standards, wer liefert kritische Infrastruktur, wer beeinflusst Regulierung, Governance oder Sicherheitsarchitektur? Gerade weil der Markt zu Übertreibungen neigt, kann ein Format, das bewusst verlangsamt, dabei helfen, wieder stärker auf Fundamentales zu schauen – nur eben nicht im Sinne klassischer Bilanzen, sondern als Mischung aus technischer Relevanz, institutioneller Anschlussfähigkeit und realer Nutzung.

Langfristige Relevanz statt Zyklusdenken

Diese Haltung wird auch in den Aussagen aus der Redaktion deutlich. Samuel Hood Burke, Chief Content Officer von CCN, formuliert den Anspruch, Einfluss zu identifizieren, „der auch in Jahren noch zählt, nicht nur im nächsten Marktzyklus“. Sein Fokus liegt auf der Frage, wie sich die Grundlagen von Finanzsystemen, Datenflüssen und Vertrauen in einer dezentralen Zukunft organisieren. Das ist ein bemerkenswerter Rahmen, weil er Krypto nicht auf Spekulation reduziert, sondern als institutionelle Neuordnung von Infrastruktur versteht – mit Konsequenzen für Compliance, Sicherheit, Abwicklung, Identitätsfragen und Governance. Ryan James Boltman, Managing Editor bei CCN, argumentiert ähnlich und stellt das Ranking als bewussten Gegenentwurf zu kurzfristigen Trends dar. Die Liste solle Akteure sichtbar machen, deren Arbeit „auf eigenen Beinen“ stehe und nicht auf PR-Budgets oder Hypes angewiesen sei.

Die ersten drei Profile: Breites Verständnis von Einfluss

Die ersten drei veröffentlichten Profile zeigen, wie breit CCN den Begriff „Einfluss“ versteht. Auf Platz 101 wird „World Liberty Financial“ genannt, ein Projekt, dem CCN eine wachsende Rolle im Bereich On-Chain-Finanzierung und institutioneller Experimente zuschreibt. Auf Platz 100 folgt Lea Petrasova, die für ihren Einfluss an der Schnittstelle von Politik, Regulierung und Digital Assets hervorgehoben wird. Platz 99 belegt Wences Casares, dessen Weg zu einer prägenden Stimme im Bitcoin-Banking nachgezeichnet wird. Für Anleger ist diese Mischung aussagekräftig, weil sie unterschiedliche Ebenen berührt: experimentelle Finanzinfrastruktur, regulatorische Realität und die langfristige Institutionalisierung von Bitcoin-Dienstleistungen. Darin steckt ein Signal: CCN will die Branche nicht über Token-Ticker erklären, sondern über Rollen im System.

Das Panel: Technologie, Politik und Finance im Querschnitt

Auch die Zusammensetzung des unterstützenden Panels unterstreicht den Ansatz. CCN nennt Fachleute aus Technologie, Politik und Finance, die zur finalen Auswahl beigetragen haben. Dazu gehören Anurag Arjun, der mit Avail verbunden ist und zuvor bei Polygon tätig war, Nichols Anthony vom Cato Institute, Frank Holmes von HIVE Digital Technologies, Joshua Ashley Klayman Kuzar von Linklaters sowie Dr. Lisa Cameron vom Digital Assets Global Forum. Für Investoren ist ein solcher Querschnitt relevant, weil er die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass nicht nur „Builder-Perspektiven“ dominieren, sondern auch rechtliche Machbarkeit, Marktstruktur und Governance-Fragen in die Bewertung einfließen. Gerade bei Tokenisierung, DeFi-Compliance oder institutioneller Verwahrung entscheidet am Ende oft nicht die eleganteste Technologie, sondern diejenige, die regulatorisch tragfähig, sicher integrierbar und operativ skalierbar ist.

Warum das Ranking gerade jetzt kommt

Warum kommt ein Ranking wie dieses gerade jetzt? CCN ordnet es in eine Phase ein, in der sich Krypto und Blockchain von „rapid experimentation“ hin zu etablierteren Use Cases und klareren Rahmenbedingungen bewegen. Das ist plausibel: Ein Teil der Innovation findet inzwischen in weniger sichtbaren Bereichen statt – bei Layer-2-Ansätzen, bei Datenverfügbarkeit, bei Custody, bei Prüfstandards, bei Identitäts- und Zugriffskontrollen oder bei rechtssicheren Strukturen für Emittenten und Dienstleister. Anleger, die nur auf Tokenpreise schauen, übersehen häufig, dass Wertschöpfung zunehmend dort entsteht, wo Infrastruktur zuverlässig funktioniert und Vertrauen institutionalisiert wird.

Grenzen des Rankings: Einfluss ist nicht automatisch Rendite

Gleichzeitig bleibt entscheidend, das Ranking richtig zu lesen. Einfluss ist kein Garant für Rendite, und eine redaktionelle Auswahl ersetzt keine Risikoanalyse. Ein Projekt kann technologisch zentral sein und dennoch ökonomisch so gestaltet sein, dass Tokeninhaber nur begrenzt profitieren. Umgekehrt können regulatorische Akteure, Forscher Einfluss auf die Marktarchitektur haben, ohne dass sich daraus direkte Investments ableiten lassen. Wer das Ranking nutzen will, sollte in Wirkungsketten denken: Welche Einträge deuten auf Infrastruktur hin, die Gebühren generiert? Welche stehen für Standards, die Marktanteile verschieben? Welche markieren regulatorische Trends, die bestimmte Segmente fördern oder ausbremsen?

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Thomas Pentzek

Thomas Pentzek gehört seit mehr als einem Jahrzehnt zu den deutschsprachigen Autoren, die sich tiefgehend mit Kryptowährungen, Blockchain-Technologien und digitalen Finanzsystemen auseinandersetzen. Dank seiner umfangreichen Erfahrung gelingt es ihm, selbst anspruchsvolle Inhalte so aufzubereiten, dass sie für Leser nachvollziehbar und... Mehr lesen

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