Am heutigen Freitag sehen wir erneut einen moderaten Rücksetzer am Kryptomarkt. Während Bitcoin auf Tagessicht rund 0,5 Prozent im Minus notiert, geben viele Altcoins sogar spürbar stärker nach. Damit bestätigt sich der Eindruck, dass das Jahr 2026 für Anleger bislang alles andere als einfach verläuft. Die Year-to-date-Performance, die zwischenzeitlich bei Bitcoin noch fast im zweistelligen Plus lag, ist inzwischen nahezu vollständig aufgezehrt. Bitcoin nähert sich wieder dem Kursniveau vom Jahresanfang, allein in den vergangenen sieben Tagen summiert sich die Korrektur auf rund 6,5 Prozent.
In dieses ohnehin fragile Marktumfeld hinein meldet sich nun ein führender Experte mit einer deutlichen Warnung. Seiner Einschätzung nach befinden wir uns auch 2026 weiterhin in einem Bitcoin-Bärenmarkt. Dennoch machen ausgewählte Indikatoren auch Hoffnung.
Das Wichtigste im Überblick:
- Bitcoin und Altcoins korrigieren, die Jahresperformance 2026 ist inzwischen fast vollständig ausgelöscht.
- Benjamin Cowen erwartet für 2025 und 2026 weiterhin eine ausgeprägte Bärenmarktphase.
- Sein Zyklusmodell sieht 2027–2028 Akkumulation und ab 2029 einen neuen Aufwärtstrend.
- Der NUPL-Indikator zeigt eine kritische Entscheidungszone zwischen Akkumulation oder Kapitulation der Investoren.
- Das Puell Multiple liegt nahe eins und signalisiert aktuell einen neutralen Markt.
- Das Power-Law-Modell zeigt Bitcoin unter Trend, was auf mögliche Unterbewertung hindeutet.
- Gegen Gold ist Bitcoin extrem günstig bewertet und statistisch ein historischer Ausreißer.
Benjamin Cowen warnt vor Bärenmarkt bei Bitcoin
Der bekannte Krypto-Analyst Benjamin Cowen erneuert aktuell eine Warnung, die er bereits vor Jahren formuliert hat. 2025 und 2026 seien in seinem langfristigen Zyklus-Modell keine freundlichen Jahre für den Kryptomarkt. In einem aktuellen Post verweist er damit auf eine Prognose aus dem Jahr 2020. Damals skizzierte Cowen einen mehrjährigen Rhythmus aus Akkumulationsphasen, Aufwärtstrends und anschließenden Bärenmärkten. Für den aktuellen Zyklus hatte er vorgesehen, dass auf die starke Phase 2023–2024 mit einem Bitcoin-Kursziel um 100.000 US-Dollar eine deutliche Abkühlung in den Jahren 2025–2026 folgt. Bitcoin erreichte zwar in 2025 noch ein Allzeithoch bei sogar rund 125.000 US-Dollar. Doch im Anschluss folgte die Korrektur.
2025-2026 was never going to be fun for crypto https://t.co/dQkDNFUC66
— Benjamin Cowen (@intocryptoverse) January 21, 2026
Sein Modell denkt dabei nicht in kurzfristigen Hypes, sondern in makroökonomischen und liquiditätsgetriebenen Wellen, die sich über viele Jahre erstrecken. Aus dieser Perspektive wäre die aktuelle Marktphase weniger als Startschuss für den nächsten Superzyklus zu interpretieren, sondern eher als Übergang in eine längere Konsolidierungs- oder sogar Abwärtsphase. Cowen argumentiert, dass genau diese „unbequemen“ Jahre historisch notwendig seien, um überschüssige Spekulation abzubauen und eine neue Basis für die nächste große Aufwärtsbewegung zu schaffen.
Interessant ist vor allem die Konsequenz seines Ausblicks: Nach dem angenommenen Bärenmarkt 2025–2026 sieht er 2027–2028 wieder eine Akkumulationsphase, gefolgt von einem neuen Aufwärtstrend ab 2029, der Bitcoin langfristig sogar in Regionen von 300.000 bis 500.000 US-Dollar und später in Richtung einer Million treiben könnte. Kurzfristig bleibt der Tenor jedoch klar: Wer Cowens Modell folgt, sollte sich 2026 eher auf ein schwieriges Marktumfeld einstellen.
Übrigens befinden wir uns per Definition sowieso schon in einem Bärenmarkt, nachdem Bitcoin innerhalb kurzer Zeit um mehr als 20 Prozent vom Allzeithoch korrigierte.
Bärenmarkt oder Bullenmarkt? Entscheidung kommt näher
In seiner verweist dieser Analyst derweil auf den sogenannten Bitcoin Adjusted Net Unrealized Profit/Loss (NUPL). Dies ist eine On-Chain-Kennzahl, die zeigt, ob sich der Markt insgesamt eher in nicht realisierten Gewinnen oder Verlusten befindet. Laut seiner Einschätzung ist diese Metrik zuletzt wieder auf ein Niveau zurückgefallen, das typisch für die Phase direkt nach einem Bärenmarkt ist.
🚨 $BTC Unrealized PnL back to post-bear levels.
Investors now face 2 choices: hold & accumulate or capitulate.
Their moves will decide if $BTC stays bullish or slides back into a bear. pic.twitter.com/efwUkkGNlY
— 𝐊𝐚𝐦𝐫𝐚𝐧 𝐀𝐬𝐠𝐡𝐚𝐫 (@Karman_1s) January 23, 2026
Genau hier sieht er nun einen entscheidenden Scheideweg. Entweder Investoren nutzen dieses Niveau, um weiter zu halten und zu akkumulieren, oder es kommt zu einer Kapitulation. Welche dieser beiden Reaktionen überwiegt, dürfte kurzfristig darüber entscheiden, ob Bitcoin in einem fragilen Bullenmarkt bleibt oder erneut in einen Bärenmarkt zurückrutscht.
Puell Multiple zeigt neutralen Ausgangslage
Ein weiterer wichtiger On-Chain-Indikator zur Beurteilung der aktuellen Marktphase ist das Bitcoin Puell Multiple, das den tägliche Miner-Revenue (in USD) ins Verhältnis zum 365-Tage-Durchschnitt setzt. Konkret wird der Wert berechnet, indem der tägliche Wert der neu geschürften Bitcoins durch den 365-Tage gleitenden Durchschnitt dieses Werts geteilt wird – ein Maß dafür, wie profitabel Miner im Vergleich zur langfristigen Norm verdienen.
Historisch dient das Puell Multiple dazu, Phasen von Überhitzung oder Unterbewertung zu erkennen: Sehr hohe Werte (typischerweise deutlich über 3–4) gingen oft mit Rally-Höchstständen einher, während sehr niedrige Werte (unter etwa 0,5) häufig Markt-Böden signalisierten. Werte im mittleren Bereich deuten auf normale bis neutrale Marktbedingungen hin.
Aktuell liegt das Puell Multiple ungefähr bei rund 1, also nahe dem langfristigen Durchschnitt.
In der Interpretation bedeutet dies: Der Markt wirkt neutral und nicht eindeutig überhitzt oder kapituliert, was wiederum zu einem insgesamt unentschlossenen Marktumfeld passt.
Bitcoin Power Law: Günstig bewertet, auch gegen Gold
Ein weiterer oft zitierter Bewertungsansatz ist das sogenannte Power-Law-Modell, das versucht, den langfristigen Preistrend von Bitcoin über eine logarithmische Wachstumskurve zu beschreiben. Aktuell notiert der Bitcoin-Preis unterhalb dieser Modellkurve, was historisch betrachtet eher für eine Phase der Unterbewertung als für eine Überhitzung spricht. Aus dieser Perspektive könnte der Markt also in einer vergleichsweise günstigen Bewertungszone liegen.
Der hiesige Analyst bezieht sich auf das Power-Law-Modell. Allerdings betrachtet er es nicht in US-Dollar, sondern im Verhältnis von Bitcoin zu Gold.
Checking in on Bitcoin's power law in GOLD 💰🪙
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This is seriously a historic 'Black Swan' for the BTC/Gold ratio.Whether we are experiencing a precious metal bubble, soon to pop, or a true transition of the monetary order (a la Ray Dalio), next moves imply huge BTC gains.… pic.twitter.com/vFTJ9OkWmk
— Sminston With 👁 (@sminston_with) January 22, 2026
Genau hier sieht er eine historisch außergewöhnliche Situation: Das BTC/Gold-Verhältnis ist so stark gefallen, dass es statistisch zu den extremsten Ausreißern überhaupt zählt – laut seiner Berechnung liegt der aktuelle Quantil-Bereich bei etwa 10^-10, also praktisch einmalig selten. Das bedeutet, Bitcoin ist gemessen in Gold außergewöhnlich günstig bewertet. Daraus ergeben sich zwei mögliche Szenarien: Entweder steigt Bitcoin stark, um wieder in seine historischen Bewertungszonen zurückzukehren, oder Gold kühlt ab und Kapital rotiert zurück in Bitcoin.
In beiden Fällen impliziert das Modell langfristig deutlich höhere Bitcoin-Preise.
Für langfristig orientierte Anleger ist dabei weniger entscheidend, ob wir das aktuelle Umfeld formal als Bären- oder Bullenmarkt einordnen. Dies ist abschließend wohl erst rückblickend möglich. Viel wichtiger ist die Frage, ob das aktuelle Kursniveau attraktive Einstiegschancen bietet. Den exakten Hoch- oder Tiefpunkt zu treffen, gelingt ohnehin so gut wie niemandem.
Vor diesem Hintergrund lassen sich durchaus Argumente finden, warum Bitcoin derzeit langfristig interessant bewertet sein könnte. Gleichzeitig bleibt klar – kurzfristige Rücksetzer und weitere Volatilität sind weiterhin jederzeit möglich.
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