Der CLARITY Act gilt als potenzieller Gamechanger für Krypto 2026, weil er erstmals klare “Spielregeln” für den US-Markt schaffen soll: Er definiert, wann ein Token eher Wertpapier (SEC) und wann digitale Commodity (CFTC) ist und gibt der CFTC eine zentrale Rolle für Spot-Märkte digitaler Commodities. Das würde Börsen, Broker und Emittenten aus der heutigen Grauzone holen, Compliance planbar machen und damit institutionelles Kapital sowie Produktinnovationen erleichtern.
Vereinfacht gesagt: Der CLARITY Act soll den Kryptomarkt endlich erwachsen (und damit attraktiver) machen. Klare Regeln bedeuten mehr Transparenz, verlässliche Aufsicht und bessere Standards für Börsen und Projekte. Grauzonen würden verschwinden, Risiken klarer benannt und Vertrauen bei Investoren gestärkt. So könnte aus einem oft chaotischen Markt Schritt für Schritt ein regulierter, professioneller Finanzsektor entstehen.
Doch der CLARITY Act ist politisch umkämpft und mitunter von Herausforderungen geprägt. Nun sind abermals wichtige Verhandlungen gescheitert.
Das Wichtigste im Überblick:
- Der CLARITY Act soll erstmals klare Zuständigkeiten zwischen SEC und CFTC definieren.
- Das Gesetz würde Kryptobörsen, Broker und Emittenten aus regulatorischen Grauzonen holen.
- Ziel ist mehr Transparenz, Vertrauen und institutionelle Investitionen in den US-Kryptomarkt.
- Coinbase entzog kurz vor dem Markup wegen Streit um Stablecoin-Zinsen die Unterstützung.
- Dadurch wurde der Markup-Prozess verschoben und der Zeitplan erheblich verzögert.
- Bankenlobby als Hauptgegner wegen Angst vor Krypto-Konkurrenz.
- Eleanor Terrett berichtet von gescheiterten parteiübergreifenden Verhandlungen im Senat.
- Trotz politischer Hürden unterstützt Donald Trump den CLARITY Act weiterhin öffentlich.
CLARITY Act: Coinbase stoppte den Durchbruch
Noch Anfang Januar 2026 sah es so aus, als würde der CLARITY Act im US-Senat endlich in die entscheidende Phase gehen: Die Senate Banking Committee wollte den Entwurf im sogenannten Markup beraten. Dies ist der Moment, in dem ein Gesetzestext konkret geändert und zur Abstimmung geschliffen wird. Doch nur Stunden vor dem Termin zog Coinbase überraschend seine Unterstützung zurück.
Auslöser war vor allem der Streit um Stablecoin-Zinsen/Rewards. Im Entwurf standen Regeln, die Erträge auf Stablecoins faktisch stark einschränken oder wie ein Verbot wirken könnten. Coinbase argumentierte, das treffe nicht nur das eigene Geschäftsmodell (u. a. rund um USDC-Anreize), sondern schütze indirekt auch Banken, die Zinsen auf Einlagen zahlen dürfen.
Die politische Folge war klar. Der Markup-Prozess wurde verschoben und auf unbestimmte Zeit vertagt. Dies war ein harter Dämpfer für den Zeitplan und die Hoffnung auf schnelle regulatorische Klarheit. Doch Brian Armstrong von Coinbase stellte wiederholt fest: „Kein Gesetz sei besser als ein Schlechtes“.
Auch andere Experten und Vertreter der Krypto-Industrie sehen hier die Schuld bei den Banken und unterstützen Coinbase in ihren Bemühungen.
the banking lobby is trying to castrate the clarity act.
for one reason:
because they know crypto is the better product for the people.
the banks are scared. pic.twitter.com/HN1tsYutyN
— Phil Kwok | EasyA (@kwok_phil) January 22, 2026
Der Krypto-Unternehmer Phil Kwok von EasyA ordnet den aktuellen Streit ein. Aus seiner Sicht versucht die Bankenlobby, den CLARITY Act gezielt zu „entkernen“. Der Grund sei nicht Verbraucherschutz, sondern Angst vor Konkurrenz. Banken wüssten, dass Krypto-Produkte in vielen Bereichen effizienter und attraktiver für Nutzer sind. Deshalb wollten sie insbesondere Regeln zu Stablecoin-Zinsen verwässern, um ihre eigenen Geschäftsmodelle zu schützen.
Doch wo stehen wir nach den Problemen beim CLARITY Act?
Verhandlungen schwierig: Scheitert der CLARITY Act?
Die gut vernetzte und in Washington bestens informierte Journalistin Eleanor Terrett zeichnet aktuell ein komplexes Bild rund um die US-Krypto-Gesetzgebung. Nach ihren Recherchen hat der Senate Agriculture Committee zwar einen neuen Gesetzestext vorgelegt, doch die parteiübergreifende Einigung ist vorerst gescheitert. Trotz zusätzlicher zwei Wochen Verhandlungen konnten sich Republikaner und Demokraten nicht auf einen gemeinsamen Entwurf verständigen. Das bedeutet: Der aktuelle Text gilt faktisch als republikanisches Projekt, ohne offene Unterstützung durch demokratische Senatoren. Selbst Cory Booker, bislang zentraler Verhandler der Demokraten, trägt ihn derzeit nicht mit. Damit droht das anstehende Markup im Ausschuss entlang klarer Parteilinien zu verlaufen. Dies sei ein starker Kontrast zur Version aus dem Repräsentantenhaus, die mit großer Mehrheit parteiübergreifend verabschiedet wurde.
🚨NEW: Where do we stand on crypto market structure legislation right now? The @SenateAg Committee released its latest legislative text last night, with Chairman @JohnBoozman (R-AR) acknowledging that Republicans and Democrats failed to reach a deal despite an extra two weeks of…
— Eleanor Terrett (@EleanorTerrett) January 22, 2026
Inhaltlich wird der Entwurf in der Branche dennoch überwiegend positiv aufgenommen. Terrett berichtet, dass viele Marktteilnehmer die Nähe zur Version des Repräsentantenhauses loben, vor allem den Fokus auf die Regulierung von Intermediären statt Protokollen oder Nutzern. Auch die Einordnung von Memecoins als digitale Commodities und die gesicherte Finanzierung der CFTC über Gebühren gelten als Fortschritte.
Der größere Stolperstein bleibt jedoch der Streit um Stablecoin-Yields. Laut Terrett sind die Gespräche zwischen Banken, Coinbase und Politik derzeit faktisch eingefroren.
Sowohl das Weiße Haus als auch der Banking-Ausschuss machen klar, dass es ohne Einigung in dieser Frage nicht weitergeht. Hinzu kommen politische Realitäten. Andere Gesetzesvorhaben wie Wohnungsbau, eine anstehende Feiertagspause und bereits terminierte Anhörungen könnten das Thema weiter nach hinten schieben. Kurzfristig richtet sich der Blick nun auf das Markup im Agrarausschuss.
Right on, Mr. President.
It's time to get the Clarity Act across the finish line. pic.twitter.com/26koPfr7vJ
— Senator Cynthia Lummis (@SenLummis) January 21, 2026
Trump unterstützt CLARITY Act, doch die Zeit drängt
Beim Weltwirtschaftsforum in Davos hat Donald Trump jüngst erneut betont, dass der CLARITY Act seiner Ansicht nach bald Realität werden sollte. Er stellt das Gesetz als wichtigen Baustein dar, um den US-Kryptomarkt wettbewerbsfähig und innovationsfreundlich zu halten. Damit sendet die Trump-Administration ein klares Signal an den Kongress. Trotz politischer Blockaden und Detailstreitigkeiten unterstützt das Weiße Haus weiterhin aktiv eine schnelle Verabschiedung der Krypto-Marktstruktur-Reform.
Doch die Zeit drängt – schließlich stehen in diesem Jahr auch noch die Midterms an, die die Mehrheitsverhältnisse in der US-Legislative massiv verändern könnten.
Daten vom führenden Prognosemarkt Polymarket zeigen hier aktuell eine Wahrscheinlichkeit von 79 Prozent, dass die Demokraten das Repräsentantenhaus übernehmen, während der Senat republikanisch bleiben dürfte.
Sollte das wirklich so eintreten, hätten wir eine verzwickte politische Lage. So könnten sich Republikaner und Demokraten gegenseitig blockieren. Umso wichtiger scheinen regulatorische Fortschritte in den kommenden Wochen.
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