Der Kryptomarkt zeigt sich im neuen Jahr von seiner besten Seite. Bitcoin ist auf bis zu 97.000 Dollar gestiegen und Anleger haben wieder Hoffnung. Eine neue Analyse von Justin Bons, Gründer des europäischen Krypto-Investmenthauses CyberCapital, sorgt aktuell allerdings für intensive Diskussionen in der Krypto-Szene. In einem ausführlichen Thread warnt Bons davor, dass Bitcoin aus strukturellen Gründen in den nächsten sieben bis elf Jahren in eine massive Sicherheitskrise geraten könnte, mit potenziell existenziellen Folgen für das Netzwerk.
Seiner Einschätzung nach beruht Bitcoins heutiges Sicherheitsmodell auf einem ökonomisch nicht nachhaltigen Fundament. Im Kern geht es um die Finanzierung der Netzwerksicherheit. Miner sichern Bitcoin, indem sie Rechenleistung bereitstellen, und werden dafür mit Blockbelohnungen und Transaktionsgebühren entlohnt. Diese Einnahmen bilden laut Bons das eigentliche Sicherheitsbudget des Netzwerks.
Das Wichtigste im Überblick:
- Justin Bons ist selbst Gründer eines Krypto-Unternehmens.
- Dennoch fällt seine Prognose für die Zukunft extrem düster aus.
- Er warnt davor, dass sinkende Blockbelohnungen immer mehr Miner aus dem Netzwerk treiben dürften.
- Eine 51 % Attacke sei demnach in 7 – 11 Jahren ein wahrscheinliches Szenario.
Halvings als schleichendes Risiko
Mit jedem Halving halbiert sich die Blockbelohnung. Dadurch sinkt das jährliche Sicherheitsbudget exponentiell, sofern der Bitcoin-Preis oder die Gebühreneinnahmen diesen Effekt nicht vollständig ausgleichen. Genau hier sieht Bons das Problem. Um das heutige Sicherheitsniveau dauerhaft zu halten, müsste sich der Bitcoin-Preis über Jahrzehnte hinweg alle vier Jahre etwa verdoppeln, oder die Gebühren müssten dauerhaft extrem hoch sein.
Beides hält er für unrealistisch. Ein dauerhaftes exponentielles Preiswachstum würde laut Bons innerhalb weniger Jahrzehnte die gesamte globale Wirtschaftsleistung übersteigen. Gleichzeitig seien dauerhaft extrem hohe On-Chain-Gebühren in einem freien Markt nicht haltbar, da Nutzer bei steigenden Kosten ausweichen oder ihre Aktivität einstellen würden.
Sein Fazit fällt daher extrem kritisch aus. Sinkende Miner-Einnahmen bedeuten sinkende Kosten für potenzielle Angreifer und damit eine wachsende Gefahr für 51-Prozent-Attacken, Double-Spends und Zensur.
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Warum die Hashrate laut Bons trügt
Ein zentrales Argument seines Threads richtet sich gegen eine weit verbreitete Annahme, dass steigende Hashrate automatisch mehr Sicherheit bedeutet. Bons widerspricht dieser Annahme klar. Maßgeblich sei nicht, wie viele Hashes pro Sekunde produziert werden, sondern wie teuer es ist, diese Hashrate zu kontrollieren. Durch effizientere Hardware könne die Hashrate steigen, während die tatsächlichen Kosten für Angriffe sinken.
BTC will collapse within 7 to 11 years from now!
First, the mining industry will fall, as the security budget shrinks
That is when the attacks begin; censorship & double-spends
Core will then have to increase inflation beyond 21M, splitting the chain & that will be the end! 🧵… pic.twitter.com/HqFmhW480L
— Justin Bons (@Justin_Bons) January 15, 2026
Entscheidend sei deshalb nicht die Hashrate, sondern der reale Dollar-Wert der Miner-Einnahmen. Diese seien inflationsbereinigt heute niedriger als vor mehreren Jahren, trotz höherer Hashrate. Für Bons ist das ein klarer Hinweis auf einen strukturellen Abwärtstrend der Netzwerksicherheit.
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Profitabler Angriff auf ein Billionen-Netzwerk möglich?
Bons skizziert ein mögliches Zukunftsszenario, in dem es bereits innerhalb der nächsten zwei bis drei Halvings wirtschaftlich sinnvoll werden könnte, Bitcoin gezielt anzugreifen. Besonders realistisch seien koordinierte Double-Spend-Attacken auf große Börsen, bei denen Angreifer zunächst Bitcoin einzahlen, diese in andere Assets tauschen und anschließend durch Reorganisation der Blockchain ihre ursprünglichen Coins zurückerlangen.
Je größer die Marktkapitalisierung von Bitcoin werde, desto höher seien laut Bons auch die potenziellen Gewinne solcher Angriffe, während das Sicherheitsbudget gleichzeitig schrumpfe. In einem solchen Umfeld könne es für Staaten, Konkurrenten oder große Kapitalgruppen rational sein, gezielt Kapital in Angriffe zu investieren.
Aus dieser Analyse leitet Bons ein Dilemma ab. Entweder werde Bitcoin langfristig seine feste Obergrenze von 21 Millionen Coins aufweichen müssen, um neue Sicherheitsbudgets zu schaffen, oder man riskiere ein zunehmend angreifbares Netzwerk.
Eine Erhöhung der Inflation würde jedoch den zentralen Kern des Bitcoin-Narrativs zerstören. Gleichzeitig hält Bons politische Reformen innerhalb des Bitcoin-Ökosystems für äußerst unwahrscheinlich, da die Entwicklungsstruktur seiner Meinung nach stark zentralisiert und blockiert sei.
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Bank-Run-Risiko durch begrenzte Kapazität
Zusätzlich warnt Bons vor einem zweiten systemischen Risiko, nämlich der extrem begrenzten On-Chain-Kapazität. Sollte ein signifikanter Teil der Bitcoin-Besitzer gleichzeitig versuchen, Coins zu bewegen, könne das Netzwerk diese Nachfrage nicht abwickeln. Bereits heute würde eine einmalige Transaktion aller bestehenden Nutzer zu monatelangen Rückstaus führen.
In einem Stressszenario, kombiniert mit fallenden Kursen und sinkender Hashrate, könne dies laut Bons eine gefährliche Abwärtsspirale auslösen. Sinkende Preise führen zu unprofitablen Minern, das wiederum zu einer geringeren Hashrate, während langsamere Blöcke noch längere Rückstaus und weitere Panik auslösen würden.
Bons geht in seinem Thread noch weiter und verknüpft die heutige Situation mit den sogenannten Blocksize-Wars der vergangenen Dekade. Seiner Darstellung nach habe sich Bitcoin damals politisch von seiner ursprünglichen Vision entfernt und sich in ein System verwandelt, das Nutzung künstlich begrenzt, mit gravierenden Folgen für Sicherheit, Skalierbarkeit und Governance. Er bezeichnet Bitcoin in seiner heutigen Form als rein spekulatives Asset ohne tragfähige ökonomische Basis für langfristige Sicherheit.
Ein Streit, der die Branche weiter begleiten wird
Ob man seine Schlussfolgerungen teilt oder nicht, der Thread von Justin Bons berührt einen der sensibelsten Punkte im Bitcoin-Design, nämlich die langfristige Finanzierung der Sicherheit. Während viele Bitcoin-Befürworter auf technologische Entwicklungen, Layer-2-Lösungen und steigende Adoption setzen, stellt Bons offen die Frage, ob das ökonomische Fundament überhaupt tragfähig ist.
Die Debatte zeigt, wie tief die ideologischen und ökonomischen Gräben innerhalb der Krypto-Welt weiterhin sind und dass die Frage nach der langfristigen Sicherheit von Bitcoin noch lange nicht abschließend beantwortet ist. Interessant ist vor allem die Tatsache, dass Bons eben kein grundsätzlicher Kritiker, sondern selbst Gründer eines Krypto-Unternehmens ist. Von dieser Seite hört man in der Regel eher bullishe Bitcoin-Prognosen.
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