An der Wall Street läuft die Rekordmaschine weiter. Dow Jones und S&P 500 markieren neue Hochs, der Russell 2000 zieht plötzlich mit. Tokentus-CEO Oliver Michel ordnet das als späte Phase ein. Die Märkte hätten noch ein Stück Weg vor sich, eher im Bereich 10 bis 15 Prozent bis zur Spitze. Danach werde es spannend, weil der Rollover der großen Indizes historisch auch der Moment gewesen sei, an dem Risikoassets kippen.

Das Wichtigste in Kürze:

  • US-Indizes laufen weiter an ihren Rekordmarken entlang, Tokentus spricht von einem möglichen finalen „Hurra“ vor dem Dreh.
  • CME FedWatch sieht für 28. Januar eine hohe Wahrscheinlichkeit für unveränderte Zinsen, Cuts werden eher Richtung Juni verlagert.
  • Das Supreme-Court-Urteil zu Trumps Zöllen gilt als möglicher Trigger, weil Rückzahlungen und Inflationsfantasie am Markt neu bewertet würden.

Für den S&P 500 nennt Michel ein grobes Vergleichsbild aus früheren Crash-Phasen. Beim Platzen der Dotcom-Blase habe der Index ab Start der ersten Zinssenkung rund 450 Handelstage bis zum Tief gebraucht. Das wären ungefähr 90 Wochen. Übertragen auf ein Szenario mit einem Hoch im Bereich 7.200 Punkte läge ein 40-Prozent-Rücklauf grob um 4.000 Punkte. Zeitlich würde so ein Boden im Bereich Juni bis August 2027 liegen. Kein senkrechter V-Crash, eher eine ABC-Bewegung mit einer fiesen zweiten Abwärtswelle, nachdem sich die Lage zwischenzeitlich „beruhigt“ anfühlt.

Fed unter Druck, Zinssenkungen werden nach hinten geschoben

Parallel eskaliert der Streit zwischen Donald Trump und Fed-Chef Jerome Powell. Der Kern ist weniger die tägliche Schlagzeile, sondern die Frage nach der Unabhängigkeit der Notenbank.

Eine DOJ-Untersuchung rund um Powells Aussagen zur Sanierung des Fed-Hauptquartiers gießt Öl ins Feuer. Powell hat sich gegen politische Einflussnahme gewehrt, während aus dem Umfeld Trumps immer wieder schnellere und stärkere Zinssenkungen gefordert werden.

Am Zinsmarkt zeigt sich das in einer klaren Erwartung: Für die Sitzung am 28. Januar liegt laut CME FedWatch die Wahrscheinlichkeit für eine Pause bei rund 95 Prozent. Interessant ist die Verschiebung nach vorn. Wo zuvor öfter April gehandelt wurde, rutscht der nächste realistische Cut-Termin eher Richtung Juni. Ein zweiter Schritt wird teils später im Jahr verortet. Das passt zu einem Bild, in dem der Markt zwar auf billigere Finanzierung setzt, aber kurzfristig keine Rettung durch die Fed bekommt.

Supreme Court und Zölle: politischer Trigger mit Markt-Folgen

Ein zusätzlicher Nervenknoten bleibt das Supreme-Court-Verfahren zu Trumps Zollpolitik. Nach einer vertagten Runde steht ein neuer Entscheidungstag im Raum.

In der Debatte geht es um die Frage, ob die Zölle rechtlich halten. Im Markt kursiert das Szenario, dass im Fall einer Ablehnung große Rückzahlungen an Unternehmen fällig werden könnten. Genannt werden Beträge im dreistelligen Milliardenbereich, häufig 133 Milliarden US-Dollar.

Das wäre gleich doppelt relevant. Erstens als Liquiditätsimpuls, wenn Rückerstattungen tatsächlich anlaufen. Zweitens, weil der Inflations-Spin kippen könnte: Fallen Zölle weg, verschwindet ein Argument, mit dem höhere Preise begründet werden. Gleichzeitig bleibt das politische Risiko hoch, weil Trump das Thema zu einem Eckpfeiler seiner Agenda gemacht hat und öffentlich vor Chaos warnt, falls das Gericht gegen ihn entscheidet.

Bitcoin: 80.500 US-Dollar halten, aber die Range nervt

Während Aktien Rekorde sammeln, wirkt Bitcoin träge. Die Zone um 80.500 US-Dollar hält bislang als Support. Nach oben deckelte der Bereich um 94.500 US-Dollar, welcher erst am heutigen Mittwoch erstmalig durchbrochen wurde. Ob dieser Ausbruch nachhaltig ist bleibt abzuwarten. In dieser Box läuft das typische Spiel: kurze Ausbruchsversuche, dann Rücklauf, wieder Startpunkt.

Der Tokentus CEO verweist in diesem Umfeld auf CME-Gaps als kurzfristige Magneten. Ein Gap im Bereich 90.500 bis 91.600 US-Dollar gilt als abgearbeitet, was die Bitcoin Prognose beeinflusst. Offen bleibt eine tiefere Gap um 88.000 US-Dollar. Das muss keinen direkten Abverkauf erzwingen, aber es erklärt, warum Rücksetzer schnell wieder Gesprächsstoff liefern.

Unterm Strich steht ein Zeitfenster. US-Indizes ziehen weiter, der Dollar-Index schwächelt phasenweise, und Bitcoin hat noch Raum, die Lücke zu schließen. Genau dieses Nachziehen sieht Michel als logische nächste Phase, bevor die große Drehung der Märkte kommt.

 

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Stefan Haas
Stefan Haas

Nach dem Maschinenbaustudium war Stefan mehrere Jahre als leitender Angestellter tätig, bevor er 2020 in die Selbstständigkeit wechselte. Erste Berührungspunkte mit Bitcoin hatte er bereits 2016 – damals noch im kurzfristigen Trading. Später baute und betrieb er ein eigenes Mining... Mehr lesen

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