Bitcoin hat im laufenden Jahr neue Allzeithochs markiert und dennoch steht kurz vor dem Jahreswechsel ein Minus von rund fünf Prozent seit Jahresbeginn zu Buche. Ausgerechnet die letzten Handelstage entscheiden nun darüber, ob Bitcoin das Jahr mit einer positiven oder negativen Rendite abschließt. Rund um Weihnachten notiert der Kurs bei etwa 89.000 US-Dollar und präsentiert sich ungewöhnlich ruhig.

Kaum Volatilität, wenig Momentum, ein Markt im Wartemodus. Diese Phase der Unentschlossenheit verstärkt bei vielen Anlegern den Blick nach vorn. Natürlich bereiten sich Anleger jetzt für das neue Kalenderjahr vor. Die Frage lautet weniger, was Bitcoin 2025 noch leisten kann, sondern welche Rolle das Asset im Jahr 2026 spielen könnte. Genau hier prallen derzeit unterschiedliche Einschätzungen aufeinander.

Bullenmarkt oder Bärenmarkt? Das ist die entscheidende Frage:

Mit Raoul Pal und Benjamin Cowen haben zwei prominente Analysten zuletzt gegensätzliche Ausblicke formuliert.

Das Wichtigste im Überblick:

  • Bitcoin schwankt zum Jahresende richtungslos, trotz Allzeithochs und negativer Jahresrendite bislang.
  • Raoul Pal erwartet keinen Zyklusbruch, sondern Verlängerung hin zu einem Fünf-Jahres-Superzyklus.
  • Pal sieht das finale Bitcoin-Hoch nicht 2025, sondern verzögert im zweiten Quartal 2026.
  • Makroliquidität, Angebotsverknappung und institutionelles Interesse stützen laut Pal die Superzyklus-These.
  • Benjamin Cowen bewertet Bitcoin 2026 primär über langfristige technische Indikatoren und Durchschnitte.
  • Cowen erwartet vor größerer Schwäche zunächst eine Erholung Richtung 200-Tage-Durchschnitt.
  • Ein Rückgang bis zum 200-Wochen-Durchschnitt bei 60.000–70.000 US-Dollar bleibt möglich.

Raoul Pals bullische These zum Superzyklus

Raoul Pal bleibt für das Jahr 2026 optimistisch und stellt das klassische Marktverständnis rund um Bitcoin grundsätzlich infrage. Seiner Einschätzung nach befindet sich der Markt nicht mehr in einem starren Vier-Jahres-Zyklus, wie er in der Vergangenheit oft beobachtet wurde. Stattdessen habe sich dieser Mechanismus strukturell verschoben. Aus dem bekannten Rhythmus sei ein verlängerter Fünf-Jahres-Superzyklus entstanden, dessen finales Hoch nicht 2025, sondern erst im zweiten Quartal 2026 erreicht werden könnte.

Pal begründet diese These mit einer Kombination aus makroökonomischen, monetären und strukturellen Faktoren. Die globale Liquidität habe sich in den vergangenen Jahren deutlich langsamer normalisiert als in früheren Zyklen. Gleichzeitig seien die Auswirkungen restriktiver Geldpolitik zeitlich verzögert im System angekommen. Diese Verzerrung habe laut Pal dazu geführt, dass sich der gesamte Kryptozyklus nach hinten verschoben habe. Bitcoin reagiere nicht mehr isoliert, sondern zunehmend als Teil eines globalen Liquiditätsregimes.

Hinzu komme die Angebotsseite. Mit einer nahezu ausgeschöpften Umlaufmenge und einer weiter sinkenden Neuemission verstärke sich der strukturelle Angebotsdruck. Gleichzeitig steige das langfristige Interesse institutioneller Akteure, während breite Teile des Marktes noch zurückhaltend agierten. Für Pal ist genau diese Konstellation typisch für die mittlere Phase eines Superzyklus.

Historische Renditen würden dabei zwar abnehmen, die absolute Größenordnung möglicher Bewegungen bleibe jedoch erheblich. Entscheidend sei aus seiner Sicht weniger das exakte Kursziel, sondern der Charakter des Zyklus. Bitcoin werde zunehmend als monetäre Alternative wahrgenommen, nicht mehr nur als spekulatives Asset.

Benjamin Cowens Bitcoin-Ausblick 2026: Neuer Crash wahrscheinlich

Benjamin Cowen vertritt für das Jahr 2026 eine deutlich defensivere Sicht auf Bitcoin. Seine Analyse basiert weniger auf makroökonomischen Narrativen, sondern auf langfristigen technischen Strukturen. Im Zentrum stehen dabei gleitende Durchschnitte, die in früheren Marktzyklen eine zentrale Rolle gespielt haben. Besonders der 200-Tage- und der 200-Wochen-Durchschnitt dienen Cowen als Orientierung für zyklische Wendepunkte.

Aus historischer Perspektive seien alle größeren Bärenmärkte von einem makroökonomischen tieferen Hoch am 200-Tage-Durchschnitt eingeleitet worden. Erst nach einem gescheiterten Rücklauf an diese Zone habe sich jeweils eine nachhaltige Abwärtsbewegung entwickelt. Für 2026 hält Cowen daher ein ähnliches Muster für wahrscheinlich. Kurzfristige Erholungen schließt er nicht aus, im Gegenteil. Ein erneuter Anstieg in Richtung des 200-Tage-Durchschnitts sei sogar ein typischer Zwischenschritt, bevor der Markt strukturelle Schwäche offenbare.

Das eigentliche Ziel dieser Bewegung sieht Cowen deutlich tiefer. Der 200-Wochen-Durchschnitt, der aktuell im Bereich zwischen 60.000 und 70.000 US-Dollar verläuft, fungiert in seiner Analyse als Ziel der Bitcoin-Bären. Ein Rücksetzer in diesen Bereich würde aus seiner Sicht dem historischen Verhalten von Bitcoin nach starken Aufwärtsphasen entsprechen.


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Daniel Robrecht

Nach seinem Rechtswissenschaften- und Management-Studium entschied sich Daniel für eine Tätigkeit als freiberuflicher Autor und verfasst mittlerweile seit rund 10 Jahren qualitative Publikationen zu diversen Fachthemen. Als Investor sammelte er jahrelang Erfahrung mit Aktien & Kryptowährungen. Neben einem langfristigen Investitionsansatz... Mehr lesen

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