Der Dezember brachte für Bitcoin erneut unruhige Wochen. Innerhalb von 30 Tagen verlor der Kurs rund 9 Prozent, die Schwankungen zogen spürbar an. Die 30-Tage-Volatilität kletterte auf über 45 Prozent, der höchste Wert seit April 2025. Der Tiefpunkt wurde am 22. November erreicht, als Bitcoin kurzzeitig um 80.700 US-Dollar notierte. Technische Indikatoren wie der RSI rutschten in den überverkauften Bereich, während spekulative Aktivitäten klar zurückgingen. Der aktuelle ChainCheck von VanEck zeichnet ein differenziertes Bild zwischen kurzfristigem Verkaufsdruck und struktureller Stabilität.

Das Wichtigste in Kürze:

  • VanEck sieht trotz Kursverlusten eine Stabilisierung der Marktstruktur, da spekulative Hebel deutlich abgebaut wurden.
  • Unternehmen und Digital Asset Treasuries nutzten den Rücksetzer und kauften rund 42.000 BTC, während ETP-Investoren Positionen reduzierten.
  • Mittelfristige Holder verkaufen verstärkt, sehr langfristige Bitcoin-Bestände bleiben dagegen weitgehend unbewegt.
  • Die Hashrate ist zuletzt um 4 Prozent gefallen, was historisch häufiger mit positiven Bitcoin-Renditen in den Folgemonaten einherging.

Schwache Onchain-Daten treffen auf ruhigeres Derivateumfeld

Ein Blick auf die Onchain-Aktivität zeigt wenig Handlungswunsch der Investoren. Die Hashrate lag im Monatsvergleich rund 1 Prozent niedriger, tägliche Gebühren sanken um 14 Prozent, neue Adressen stagnierten leicht. Auch im Derivatemarkt kühlte sich die Stimmung ab. Die annualisierte Basis bei Bitcoin-Perpetuals fiel zeitweise auf 3,7 Prozent und lag damit deutlich unter dem Jahresdurchschnitt von 7,4 Prozent. Das deutet auf geringere Hebelwirkung und weniger spekulativen Überschwang hin. Für VanEck ist genau dieser Rückgang ein wichtiger Reset. Exzessive Positionierungen wurden abgebaut, das Risiko im System nahm ab. Kurzfristig belastet das den Kurs, mittelfristig verbessert es die Ausgangslage.

Unternehmen kaufen den Rücksetzer, ETPs treten auf die Bremse

Auffällig ist die unterschiedliche Rolle institutioneller Akteure. Während Investoren aus Bitcoin-ETPs Kapital abzogen und die Bestände um rund 120 Basispunkte sanken, nutzten sogenannte Digital Asset Treasuries den Rückgang um Kryptowährungen zu kaufen.

Weniger Langzeitlager, die “Bitcoin Unternehmen“ kaufen mehr, Quelle: Galssnode bzw. VanEck Report auf https://www.vaneck.com/us/en/blogs/digital-assets/matthew-sigel-vaneck-mid-december-2025-bitcoin-chaincheck/

Zwischen Mitte November und Mitte Dezember wurden etwa 42.000 BTC akkumuliert, ein Plus von rund 4 Prozent. Die gesamten Bestände dieser Unternehmen stiegen damit auf 1,09 Millionen BTC. Es war der größte monatliche Zukauf seit dem Sommer 2025. Besonders aktiv zeigte sich Strategy, da das Unternehmen weiterhin über eine Bewertung oberhalb des Nettoinventarwerts verfügt und so neue Mittel aufnehmen konnte. Andere Akteure planen offenbar einen Strategiewechsel und wollen künftige Käufe stärker über Vorzugsaktien finanzieren. Das Beispiel Metaplanet aus Japan zeigt, dass der Fokus klar auf langfristigem Aufbau liegt, auch wenn der Markt kurzfristig schwächelt.

Alte Hasen halten, mittlere Jahrgänge verkaufen

Die Analyse der Coin-Alter liefert ein spannendes Signal. Bestände aus dem Bereich von 1 bis 5 Jahren nahmen deutlich ab. Besonders stark waren Rückgänge bei Coins mit einem Alter von 2 bis 3 Jahren sowie 3 bis 5 Jahren. Gleichzeitig blieben sehr alte Bestände erstaunlich stabil. Coins, die seit mehr als 5 oder sogar 10 Jahren nicht bewegt wurden, zeigten kaum Veränderungen.
Das spricht für eine Trennung der Lager. Zyklische Marktteilnehmer reduzieren ihre Positionen, während Überzeugungstäter ruhig bleiben. Zwar sank der Gesamtbestand an Coins, die länger als sechs Monate gehalten wurden, leicht, doch die ältesten Gruppen hielten weiter stand. VanEck sieht darin kein klassisches Top-Signal, sondern eher eine Bereinigung innerhalb der mittleren Haltefristen.

Mining-Druck wächst, historisch oft ein Wendepunkt

Auch auf Seiten der Miner spitzt sich die Lage zu. Sinkende Preise und die strukturellen Effekte der Halvings drücken die Margen. Die wirtschaftliche Schwelle für Stromkosten bei älteren Geräten wie dem S19 XP fiel innerhalb eines Jahres von rund 0,12 US-Dollar auf etwa 0,077 US-Dollar.

Seit langem stagniert die Difficulty wieder, Quelle: https://www.blockchain.com/explorer/charts/difficulty

Gleichzeitig ging die Netzwerk-Hashrate auf 30-Tage-Sicht um 4 Prozent zurück, der stärkste Rückgang seit April 2024. Gründe reichen von schlechter Profitabilität bis zu regulatorischen Eingriffen, etwa Abschaltungen in China.

Aus der Vergangenheit kann gesagt werden, dass solche Vorgänge nicht zwingend negativ sein müssen. Auswertungen seit 2014 zeigen, dass bei rückläufiger Hashrate die Chancen auf positive Bitcoin-Renditen in den folgenden Monaten höher lagen als bei wachsender Rechenleistung. Besonders über einen Zeitraum von 180 Tagen schnitten diese Phasen im Schnitt besser ab.

Fazit: Vorsicht dominiert, der Unterbau wirkt stabil

Der ChainCheck von VanEck zeichnet kein euphorisches Bild, aber auch kein düsteres Szenario für die Bitcoin Prognose. Onchain-Aktivität und Preisentwicklung bleiben schwach, gleichzeitig verbessern sich Liquidität und Marktstruktur.

Bitcoin Dashboard, Quelle: Glassnode, Bloomberg, Artemis XYZ zusammengefasst von https://www.vaneck.com/us/en/blogs/digital-assets/matthew-sigel-vaneck-mid-december-2025-bitcoin-chaincheck/

Unternehmen kaufen, spekulative Exzesse wurden abgebaut, langfristige Halter bleiben gelassen. Der Druck bei den Minern erhöht die Unsicherheit, hatte in früheren Zyklen jedoch oft eine reinigende Wirkung. Unter der Oberfläche zeigt sich damit ein Markt, der angeschlagen ist, aber nicht zerfällt.

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Stefan Haas
Stefan Haas

Nach dem Maschinenbaustudium war Stefan mehrere Jahre als leitender Angestellter tätig, bevor er 2020 in die Selbstständigkeit wechselte. Erste Berührungspunkte mit Bitcoin hatte er bereits 2016 – damals noch im kurzfristigen Trading. Später baute und betrieb er ein eigenes Mining... Mehr lesen

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