Im Gespräch mit Aktionär TV hat Tokentus-CEO Oliver Michel ausführlich zur aktuellen Situation am Kryptomarkt Stellung genommen. Im Fokus stand dabei vor allem Bitcoin, der nach seinem Allzeithoch spürbar unter Druck geraten ist. Der Kursrückgang bis in den Bereich um 85.000 US-Dollar sorgt für Unsicherheit, gleichzeitig aber auch für eine klare technische Wegmarke, an der sich die weitere Entwicklung entscheiden dürfte.
Das Wichtigste in Kürze:
- Bitcoin fiel nach dem Allzeithoch bis in den Bereich um 85.000 US-Dollar und steht dort an einer zentralen Unterstützung.
- Technisch sind sowohl eine kurzfristige Erholung als auch eine Fortsetzung der Korrektur möglich.
- Die US-Notenbank senkte die Zinsen um 25 Basispunkte und kündigte zusätzliche Liquiditätsmaßnahmen an.
- Unbegrenzte Overnight-Repos sollen Banken stabilisieren und könnten Risk Assets zeitverzögert stützen.
- Oliver Michel bleibt kurzfristig optimistisch, sieht mittel- bis langfristig jedoch erhöhte Risiken.
Ausgangspunkt der Analyse ist der Tageschart von Bitcoin. Nach dem Hoch folgte eine deutliche Abwärtsbewegung, wie sie in früheren Marktphasen ebenfalls zu beobachten war. Entscheidend ist nun die Frage, ob sich bei rund 85.000 US-Dollar ein neues Higher Low gebildet hatte oder ob dieser Bereich lediglich eine Zwischenstation darstellt. Laut Michel lässt sich das aktuell noch nicht eindeutig beantworten, auch die Altcoin Season ist für ihn noch immer offen. Der Markt befindet sich in einer sensiblen Phase, in der sowohl eine Erholung als auch eine Fortsetzung der Korrektur möglich bleibt.
Technische Lage bei Bitcoin
Technisch hatte sich vor dem Rückgang ein sogenanntes Rising Wedge ausgebildet, das nach unten aufgelöst wurde. Solche Formationen enden häufig mit weiteren Tests tieferer Unterstützungen. Sollte der Bereich um 84.000 US-Dollar nicht gehalten werden, könnten schnell 80.000 US-Dollar die nächste Schwelle darstellen. Ein direkter Rebound wäre allerdings ebenfalls denkbar, falls Käufer schnell zurückkehren.
BITCOIN und ALTCOINS: Zwischen Gipfelsturm und tödlichem Absturz 🚨
Zum ganzen Interview: https://t.co/PtPWtWrSLK
Alle reden dieser Tage von der ersehnten Jahresendrally. In den USA läuft sie, bei uns eher nicht. Bei BITCOIN und ALTCOINS dominiert derzeit vor allem eine Farbe:… pic.twitter.com/oAGgJk0VRc
— DER AKTIONÄR (@aktionaer) December 16, 2025
US-Märkte deutlich stabiler
Parallel dazu zeigt Michel die Entwicklung an den US-Aktienmärkten auf. Während Bitcoin und viele Altcoins zuletzt rote Vorzeichen zeigten, präsentierten sich die US-Indizes deutlich stabiler. Besonders der Russell 2000 konnte mehrere neue Allzeithochs in Folge erreichen. Auch Dow Jones und S&P 500 bewegten sich nahe ihrer Höchststände. Diese Entwicklung wertet Michel als positives Signal, da Kryptomärkte in der Vergangenheit oft zeitversetzt auf Bewegungen an den Aktienmärkten reagierten.
Ein zentrales Thema ist für ihn dennoch die Zinssenkung der US-Notenbank um 25 Basispunkte. Diese Entscheidung war weitgehend erwartet worden, deutlich wichtiger waren jedoch die begleitenden Aussagen von Fed-Chef Jerome Powell zur Liquidität. Zwar handelt es sich nicht um klassisches Quantitative Easing, dennoch plant die Notenbank umfangreiche Käufe kurzfristiger Staatsanleihen. In den kommenden 30 Tagen sollen monatlich rund 40 Milliarden US-Dollar in sogenannte Treasury Bills fließen.
Diese Maßnahme führt dazu, dass Banken über Primärhändler frische Liquidität erhalten, die anschließend in den Markt weitergegeben werden kann. Zwar wird dieses Geld bei Fälligkeit der Anleihen wieder eingesammelt, kurzfristig erhöht sich jedoch die verfügbare Liquidität. Michel ist sich sicher, dass solche Prozesse Zeit benötigen und ihre Wirkung nicht sofort sichtbar wird. Erste Effekte erwartet er eher im Januar oder Februar.
Mehr Geld für die Märkte
Zusätzlich hat die Fed eine weitere wichtige Stellschraube gelockert. Die Obergrenze für sogenannte Overnight-Repo-Geschäfte wurde aufgehoben. Banken können sich damit unbegrenzt über Nacht mit Liquidität versorgen.
Ausschnitt aus dem Interview mit den wichtigen Makro-Ereignissen, Quelle: https://www.youtube.com
Insgesamt haben 42 große Finanzinstitute Zugriff auf diese Fazilität, mit individuellen Limits von bis zu 120 Milliarden US-Dollar. Für Michel ist das ein klares Zeichen dafür, dass das Finanzsystem unter Druck steht und gestützt werden muss.
Für die Bitcoin Prognose ergeben sich daraus zwei gegensätzliche Interpretationen. Einerseits sprechen überverkaufte Indikatoren wie der Relative Strength Index für eine baldige Gegenbewegung. Historisch folgten auf ähnliche RSI-Niveaus häufig Erholungen. Andererseits mahnen langfristigere Signale zur Vorsicht. Bitcoin schloss mehrere Wochen in Folge unter dem SMA50 im Wochenchart, ein Muster, das in früheren Zyklen oft mit längeren Schwächephasen einherging.
Schwierige Situation erkennbar
Michel beschreibt seine eigene Einschätzung daher bewusst differenziert. Kurzfristig rechnet er mit einer Erholung, die auch als Relief Rally ausfallen könnte. Im positiven Szenario wäre sogar eine Fortsetzung des übergeordneten Aufwärtstrends mit neuen Allzeithochs denkbar. Mittel- bis langfristig sieht er jedoch klare Risiken. Negative Divergenzen im RSI und die Marktstruktur deuten darauf hin, dass nach einer möglichen letzten Aufwärtsbewegung ein größerer Rücksetzer folgen könnte.
Alles hängt nun an wenigen Schlüsselmarken. Solange Bitcoin oberhalb von 80.500 US-Dollar bleibt, ist der Aufwärtstrend nicht endgültig gebrochen. Ein Fall darunter würde das Bild deutlich eintrüben und tiefere Kursziele aktivieren. Die nächsten Tage und Wochen dürften damit entscheidend werden, nicht nur für Bitcoin, sondern für den gesamten Kryptomarkt.
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