In den vergangenen Wochen hat sich eine heiße Debatte im globalen Kapitalmarkt entfaltet: MSCI prüft, ob sogenannte Digital Asset Treasuries wie Strategy künftig aus wichtigen Aktienindizes ausgeschlossen werden sollen. Hintergrund sind regulatorische Bedenken sowie die Frage, ob Unternehmen mit großen Beständen an digitalen Vermögenswerten anders klassifiziert werden müssen. Die möglichen Folgen wären erheblich. Ein Ausschluss aus MSCI-Indizes würde bedeuten, dass zahlreiche passive Investoren, darunter ETFs, Pensionsfonds und institutionelle Mandate, ihre Positionen in Strategy und vergleichbaren Unternehmen zwangsweise reduzieren müssten.
Genau dieser Mechanismus könnte erheblichen Verkaufsdruck auslösen. Zwar preist der Markt derartige Entwicklungen aktuell bereits ein, doch es gibt weitere Risiken.
Da Strategy zu den größten Unternehmen im Digital-Asset-Segment zählt, beobachten Anleger die Lage mit wachsender Nervosität. Die entscheidende Weichenstellung wird nun für Januar erwartet.
Our thoughts on digital credit and response to MSCI. Restricting passive index investment in $BTC today would be like restricting investment in oil and oil rigs in the 1900s, spectrum and cell towers in the 1980s, or compute and data centers in the 2000s.pic.twitter.com/K2WDdTt5rh
— Michael Saylor (@saylor) December 11, 2025
Doch mit einem offenen Brief an MSCI wehrt sich Strategy als führendes Bitcoin-Treasury-Unternehmen, das mittlerweile deutlich über 650.000 BTC hält.
Das Wichtigste im Überblick:
- MSCI prüft Ausschlüsse, was erheblichen Verkaufsdruck auf DATs erzeugen könnte.
- Strategy betont, dass DATs operative Unternehmen sind und keine Investmentfonds.
- DATs nutzen Bitcoin aktiv, um Renditen und innovative Finanzinstrumente zu erzeugen.
- Konzentration auf einen Vermögenswert entspricht Branchen wie Öl-, Holz- oder Immobilienkonzernen.
- Strategy kritisiert die 50-Prozent-Regel als willkürlich, diskriminierend und technisch unpraktikabel.
- Polymarket sieht eine hohe Delisting-Wahrscheinlichkeit von 74 Prozent bis März.
- Strategy stärkt seine Position weiter und kaufte zuletzt zusätzliche 10.624 BTC.
Strategy kritisiert MSCI-Pläne: Das sind Saylors Argumente
Strategy stellt in seinem Schreiben klar, dass Digital Asset Treasuries wie das eigene Unternehmen aus ihrer Sicht falsch eingeordnet werden. Diese Gesellschaften seien keine Investmentfonds, sondern operative Unternehmen, die ihre Bitcoin-Bestände aktiv nutzen, um Erträge zu erwirtschaften.
„Strategy kauft und hält jedoch nicht einfach Bitcoin. Vielmehr betreibt das Unternehmen ein durch Bitcoin gedecktes Unternehmens-Treasury- und Kapitalmarktprogramm, das es ihm ermöglicht, sowohl auf den Kapitalmärkten als auch im Softwarebereich innovativ zu sein. Strategy nutzt die Erlöse aus Eigen- und Fremdkapitalfinanzierungen, die durch seine Bitcoin-Treasury-Strategie generiert werden, um Anlegern eine Reihe von digitalen Krediten und innovativen Wertpapieren anzubieten, darunter sowohl Aktien- als auch festverzinsliche Instrumente, die ein unterschiedliches Maß an wirtschaftlichem Engagement in Bitcoin bieten.“
Strategy verweist darauf, dass das Geschäftsmodell eher klassischen Finanzakteuren wie Banken oder Versicherern ähnelt, die kreditähnliche Produkte bereitstellen. Entscheidend sei die unternehmerische Flexibilität: DATs könnten ihre Strategien anpassen, wenn sich die zugrunde liegende Technologie weiterentwickelt. Die Konzentration auf einen einzigen Vermögenswert unterscheide sie nicht von Branchen wie Immobilien- oder Ölkonzernen, die MSCI ebenfalls nicht als Fonds klassifiziert.
„Die Tatsache, dass DATs wie Strategy stark – und manchmal fast ausschließlich – in eine einzige Art von Vermögenswerten investieren, macht sie noch nicht zu Investmentfonds. Viele in den MSCI-Indizes enthaltene operative Unternehmen investieren stark in eine einzige Anlageklasse. Öl- und Holzunternehmen wie ExxonMobil und Weyerhaeuser haben einen erheblichen Teil ihrer Vermögenswerte in Öl- und Holzreserven angelegt.“
Schwerpunkt der Kritik ist die geplante 50-Prozent-Schwelle für digitale Vermögenswerte. Strategy bewertet diese Grenze als willkürlich, diskriminierend und praktisch kaum umsetzbar. Kursvolatilität, unterschiedliche Bilanzierungsregeln und nationale Standards würden dazu führen, dass Unternehmen ständig in Indizes hinein- und wieder hinausfallen. MSCI müsste komplexe neue Messgrößen entwickeln und Unternehmen faktisch fortlaufend prüfen, was aus Sicht von Strategy weder konsistent noch marktgerecht wäre.
Zudem wirft das Schreiben MSCI vor, mit der Regel politisch zu handeln, statt neutrale Marktindizes bereitzustellen. Eine explizite Ausschlussregel für Krypto-Reserven stehe im Widerspruch zum eigenen Anspruch, Märkte abzubilden, ohne Urteile zu fällen. Schließlich argumentiert Strategy, dass ein solcher Schritt der innovationsfreundlichen Linie der US-Politik zuwiderliefe.
Statt übereilter Eingriffe solle MSCI zunächst die weitere Entwicklung von DATs beobachten, breiter konsultieren und erst dann über eine mögliche Neuordnung entscheiden.
Damit fällt das Fazit von Strategy wie folgt aus und ist mit einem deutlichen Plädoyer an die Verantwortlichen bei MSCI verbunden:
„Wir fordern MSCI nachdrücklich auf, den Vorschlag abzulehnen. Er beruht auf einer weitreichenden Fehlinterpretation von DATs und würde willkürliche, unpraktikable Bedingungen auferlegen, die Innovationen behindern, den Ruf der MSCI-Indizes schädigen und im Widerspruch zu nationalen Prioritäten stehen würden. (…) seine Indizes neutral und getreu die nächste Ära der Finanztechnologie widerspiegeln. Der klügere Weg – für MSCI, für Investoren und für die Wirtschaft insgesamt – besteht darin, dass MSCI neutral bleibt und die Märkte über den Kurs der DATs entscheiden lässt.“
Polymarket signalisiert Gefahr: Strategy kauft weiter BTC
Der Prognosemarkt Polymarket liefert bereits ein klares Sentiment zur laufenden MSCI-Debatte. Dort wird die Wahrscheinlichkeit, dass Strategy bis zum 31. März aus einem MSCI-Index entfernt wird, derzeit mit rund 74 Prozent gehandelt.
Strategy setzt seine aggressive Bitcoin-Treasury-Strategie unbeirrt fort. Laut aktueller Mitteilung hat das Unternehmen in dieser Woche 10.624 BTC gekauft. Dies entspricht einem Volumen von rund 963 Millionen US-Dollar. Damit wächst der Gesamtbestand auf 660.624 BTC, die im Durchschnitt zu knapp 74.700 US-Dollar je Coin erworben wurden.
Strategy has acquired 10,624 BTC for ~$962.7 million at ~$90,615 per bitcoin and has achieved BTC Yield of 24.7% YTD 2025. As of 12/7/2025, we hodl 660,624 $BTC acquired for ~$49.35 billion at ~$74,696 per bitcoin. $MSTR $STRC $STRK $STRF $STRD $STREhttps://t.co/4rCL87nbYk
— Strategy (@Strategy) December 8, 2025
Zugleich verweist Strategy auf eine Bitcoin-Rendite von 24,7 Prozent seit Jahresbeginn. Damit bleiben Strategy und Saylor der eigenen Strategie treu.
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