Die weltgrößte Vermögensverwaltung BlackRock sorgt erneut für Bewegung im Kryptosektor. Am vergangenen Freitag reichte der Finanzriese eine sogenannte S-1-Registrierung bei der US-Börsenaufsicht SEC für einen neuen börsengehandelten Fonds ein, der unter dem Kürzel ETHB erscheinen soll. Dabei handelt es sich um einen Staked Ethereum Trust ETF, der nicht nur den Ethereum-Preis abbildet, sondern auch Erträge aus gestakten Ether einbezieht.

Mit diesem Schritt setzt BlackRock seine ohnehin dominante Position im Krypto-ETF-Geschäft fort. Schon jetzt verwaltet das Unternehmen mehrere Milliarden US-Dollar sowohl in Bitcoin- als auch Ethereum-Produkten. Der neue Antrag kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die regulatorischen Rahmenbedingungen in den USA erstmals ausdrücklich Staking-Produkte für institutionelle Investoren ermöglichen. Ein Punkt, der in den vergangenen Jahren immer wieder Unsicherheit ausgelöst hatte.

Passiver ETF mit Zusatzrendite – erstmals auf regulatorisch klarem Boden

Aus dem Registrierungsdokument geht hervor, dass der Trust „kein aktives Ziel zur Erwirtschaftung zusätzlicher Gewinne“ verfolgt. Stattdessen sollen Anleger schlicht am Wertverlauf von Ethereum teilnehmen und gleichzeitig automatisch von Staking-Belohnungen profitieren. Wie groß der gestakte Anteil jeweils ist, soll flexibel gehandhabt werden.

Damit grenzt sich ETHB vom bestehenden iShares Ethereum Trust (ETHA) ab. Dieser bildet bislang nur den Spot-Preis ab. BlackRock hatte zwar schon im Sommer angedeutet, auch bei ETHA ein Staking-Element integrieren zu wollen, doch die SEC verschob Entscheidungen mehrfach. Nun scheint allerdings eine neue Ausgangslage entstanden zu sein: Die rechtlichen Hürden sind niedriger, die politische Stimmung offener.

Eine Sprecherin von BlackRock wollte den laufenden Antrag zwar auf Nachfrage nicht kommentieren. In Analystenkreisen heißt es jedoch, dass ETHB vermutlich eigenständig neben ETHA laufen wird, statt ein bestehendes Produkt nachträglich umzubauen.

Konkurrenzprodukte existieren – doch BlackRock dominiert

Während Grayscale bereits im Oktober seinen ETHE-Staking-ETF startete und auch andere Anbieter nachziehen, bleibt BlackRock marktbeherrschend. ETHA verwaltet aktuell rund 11 Milliarden US-Dollar, was etwa 3,6 Millionen ETH entspricht. Grayscale und kleinere Wettbewerber wie REX-Osprey kommen zusammen auf weniger als die Hälfte.

Bei Bitcoin liegt BlackRock ohnehin klar vorn. Der iShares Bitcoin Trust ETF (IBIT) gilt mittlerweile als größter Krypto-ETF der Welt und verwaltet knapp 70 Milliarden US-Dollar. Während sich Bitcoin zuletzt schwächer zeigte – der Kurs fiel innerhalb von 24 Stunden rund ein Prozent –, legten die BlackRock-Fonds selbst leicht zu.

US-Finanzministerium und IRS schaffen „Safe Harbor“ für Staking

Die neuen BlackRock-Pläne fallen zeitlich zusammen mit einer wegweisenden Entscheidung der US-Behörden. Das Finanzministerium und die Steuerbehörde IRS veröffentlichten Anfang November eine Richtlinie, die institutionellen Ethereum- und Solana-Produkten offiziell erlaubt, Staking-Erträge zu erzeugen und an Anleger weiterzugeben.

Damit schaffen die Behörden erstmals einen klaren Rechtsrahmen. Investment-Trusts dürfen digitale Vermögenswerte staken, sofern einige Bedingungen erfüllt werden. Dazu zählen unter anderem die Beschränkung auf einen Blockchaintyp, die Nutzung eines unabhängigen Custodians, eine separate Staking-Dienstleistung sowie die Verpflichtung, keine weiteren Geschäftsbereiche zu verfolgen.

In der Praxis bedeutet das: Ein Trust darf ausschließlich Token halten, staken und wieder ausgeben, sonst nichts. Für die Branche ist das eine Art Freifahrtschein. Lange war unklar, ob Staking-Erträge als nicht registrierte Wertpapiere gelten könnten. Die Unsicherheit lähmte insbesondere große TradFi-Player, die zwar investieren wollten, aber juristische Risiken scheuten.

Politische Unterstützung aus Washington

US-Finanzminister Scott Bessent begrüßte die Neuregelung öffentlich. Auf der Plattform X erklärte er, die Entscheidung eröffne neue Möglichkeiten für Anleger, fördere Innovation und sichere die Führungsrolle der USA in der Blockchain-Technologie.

Bemerkenswert ist zudem, dass auch Vertreter der aktuellen Regierung das Thema offen unterstützen. Patrick Witt, Exekutivdirektor des „Council of Advisors for Digital Assets“ von Donald Trump, sprach sogar von einem „historischen Schritt“, der aus Empfehlungen des Weißen Hauses hervorgegangen sei. Dass also Republikaner wie auch Regierungsstellen in dieselbe Richtung argumentieren, könnte die Akzeptanz digitaler Vermögenswerte langfristig erhöhen.

Proof-of-Stake bekommt politischen Rückenwind

Insbesondere Ethereum und Solana profitieren vom neuen Kurs. Beide Netzwerke basieren auf Proof-of-Stake, bei dem Nutzer Token hinterlegen, um Transaktionen zu validieren. Dafür erhalten sie Jahresrenditen, die je nach Netzwerk und Beteiligung zwischen gut 1,8 und 7 Prozent liegen können.

Die Debatte um die rechtliche Einordnung dieser Renditen zog sich seit Jahren. Nun aber gilt Staking in den USA nicht mehr als Graubereich. Für Fondsanbieter, Verwahrstellen und traditionelle Vermögensverwalter ist das ein massiv erleichternder Schritt. Branchenexperten gehen davon aus, dass in kurzer Zeit zahlreiche neue Produkte folgen.

Möglicher Boom institutioneller Staking-Produkte

Analysten rechnen damit, dass die Kombination aus regulatorischer Klarheit und BlackRocks Marktmacht zu einem regelrechten Boom führen könnte. Für Privatanleger wird Staking damit nicht nur einfacher zugänglich, sondern auch sicherer – zumindest nach klassisch-finanzwirtschaftlichen Maßstäben.

Bill Hughes von Consensys nennt die Entwicklung „einen Durchbruch, der längst überfällig war“. In der Praxis bedeute die neue Richtlinie, dass nahezu alle Barrieren für regulierte Investmentfonds fallen. Damit hätten institutionelle Anleger erstmals dieselben Möglichkeiten wie private Krypto-Nutzer, nur mit professioneller Infrastruktur im Hintergrund.

Kurse stabil – Markt blickt nach vorn

Während Bitcoin am US-Montag leicht nachgab und zuletzt bei rund 90.390 US-Dollar notierte, zeigte sich Ethereum weitgehend stabil. ETHA legte dennoch um über drei Prozent zu – ein Hinweis darauf, dass viele Anleger die neuen Entwicklungen als langfristig positiv bewerten.

Auch die Börse reagiert vorsichtig optimistisch. Die Aussicht auf weitere Einnahmequellen durch Staking könnte Ethereum-produkten zu höherer Attraktivität verhelfen, insbesondere bei institutionellen Anlegern, die bisher eher auf Bitcoin-ETFs gesetzt hatten.

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Thomas Pentzek

Thomas Pentzek gehört seit mehr als einem Jahrzehnt zu den deutschsprachigen Autoren, die sich tiefgehend mit Kryptowährungen, Blockchain-Technologien und digitalen Finanzsystemen auseinandersetzen. Dank seiner umfangreichen Erfahrung gelingt es ihm, selbst anspruchsvolle Inhalte so aufzubereiten, dass sie für Leser nachvollziehbar und... Mehr lesen

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