Der Kryptomarkt steht 2026 vor spannenden Entwicklungen. Womöglich rücken bald zunehmend technologische Trends in den Fokus, die reale Anwendungsfälle adressieren und langfristigen Nutzen schaffen. Neben etablierten Themen wie DeFi, Tokenisierung realer Vermögenswerte oder skalierbaren Layer-2-Lösungen könnte hier auch ein zuletzt eher schwacher Bereich spürbar an Bedeutung gewinnen: Decentralized Physical Infrastructure Networks (DePIN). Wer Altcoins kaufen möchte, beschäftigt sich auch mit diesem Marktsegment.

DePIN beschreibt Protokolle, die physische Infrastruktur dezentral organisieren und über Blockchain-basierte Anreizsysteme betreiben. Damit verbindet dieser Trend die digitale Welt von Krypto direkt mit realwirtschaftlichen Strukturen. Analysten sehen hierin ein erhebliches Comeback-Potenzial, da DePIN konkrete Probleme löst und neue Nutzergruppen erschließen kann.

Vor diesem Hintergrund rücken mehrere Projekte in den Fokus, die sich strategisch genau in diesem Wachstumsfeld positionieren und von diesem Trend überproportional profitieren könnten.

Was steckt hinter diesen DePIN-Projekten?

Das Wichtigste im Überblick:

  • DePIN verbindet Krypto mit realer Infrastruktur und bietet 2026 Comeback-Potenzial.
  • Helium skaliert dezentrale Mobilfunknetze mit Millionen Nutzern und wachsendem Umsatzpotenzial.
  • DoubleZero liefert ultraschnelle Glasfaser für Solana-Validatoren, kämpft jedoch mit hoher Inflation.
  • Daylight tokenisiert Energieinfrastruktur, bietet stabile Renditen, bleibt jedoch stark regulierungsabhängig.
  • Hivemapper kartiert Straßen günstiger als Konzerne, doch Monetarisierung hinkt bislang hinterher.
  • Livepeer profitiert vom KI-Video-Trend mit reifer Tokenomics und steigenden Einnahmen.

Helium

helium

Helium gilt als eines der bekanntesten und am weitesten fortgeschrittenen Projekte im Bereich Decentralized Physical Infrastructure Networks (DePIN). Das Kernprinzip hinter Helium: Der Aufbau und Betrieb drahtloser Netzwerke wird nicht von klassischen Telekommunikationskonzernen gesteuert, sondern von einer dezentralen Community, die Infrastruktur bereitstellt und dafür über Token vergütet wird. Inzwischen wird das Helium-Netzwerk täglich von rund 1,4 Millionen Nutzern indirekt verwendet – etwa durch die Netzauslastung von Großpartnern wie T-Mobile und AT&T, häufig ohne dass Endkunden überhaupt wissen, dass Helium im Hintergrund arbeitet.

Die Wachstumszahlen aus 2025 unterstreichen die Dynamik des Projekts. Die täglichen aktiven Nutzer stiegen innerhalb eines Jahres deutlich. Noch stärker fiel das Wachstum bei Helium Mobile aus. Die Zahl der Abonnenten legte massiv zu. Parallel dazu explodierten die sogenannten Carrier-Offload-Einnahmen, also Umsätze durch die Auslagerung von Datenverkehr großer Mobilfunkanbieter.

Gleichzeitig bleiben offene Fragen bestehen. Helium Mobile wird operativ von Nova Labs kontrolliert, einem privatwirtschaftlichen Unternehmen mit eigenen Interessen. Die zeitweise Verbrennung von Helium-Mobile-Erlösen wurde zwar rückgängig gemacht, dennoch ist noch nicht abschließend geklärt, wie langfristig der wirtschaftliche Wert zwischen Unternehmensanteilen und Token-Ökonomie verteilt wird. Trotz dieser Unsicherheiten bietet insbesondere die internationale Expansion erhebliches zusätzliches Wachstumspotenzial.

DoubleZero

DoubleZero

DoubleZero positioniert sich als hochspezialisierte Infrastruktur im DePIN-Segment mit einem klaren Fokus auf extrem niedrige Latenzzeiten für Blockchain-Validatoren. Konkret nutzen Solana-Validatoren das private Glasfasernetzwerk von DoubleZero, um die Performance ihrer Validatoren zu verbessern. Damit adressiert das Projekt ein zentrales Skalierungsproblem leistungsfähiger Blockchains. Die öffentliche Internet-Infrastruktur ist für sub-Millisekunden-Anforderungen schlicht nicht optimiert.

Der Rückblick auf 2025 zeigt, wie schnell sich DoubleZero als kritische Infrastruktur im Solana-Ökosystem etabliert hat. Mit dem Start des Mainnet-Beta trägt das Netzwerk bereits rund 40 Prozent des gesamten Solana-Stakes und ist damit tief in den operativen Kern eingebunden. Der massive Ausbau der dedizierten Bandbreite auf 3,4 Tbps unterstreicht den infrastrukturellen Anspruch, verteilt auf mehr als 20 Städte. In diesen Regionen ist DoubleZero nach eigenen Messungen über 20 Prozent schneller als das öffentliche Internet. Regulatorisch verschafft der SEC-No-Action-Letter zusätzliche Planungssicherheit, während Kapitalrunden und das Delegation-Programm die wirtschaftliche Basis stärken. Sinkende Skip-Rates und steigende Vote-Credits zeigen zudem messbare Leistungsverbesserungen für Validatoren.

Ein wesentlicher bullischer Faktor ist der enorme technische und operative Burggraben. Der Aufbau eines Glasfasernetzes mit extrem niedriger Latenz erfordert hohe Investitionen, spezialisierte Hardware, exzellente Netzwerksynchronisation und leistungsfähige Software. Diese Kombination macht es für andere DePIN-Projekte schwierig, DoubleZeros frühen Vorsprung kurzfristig zu replizieren.

Rund 35 Prozent der Token sind jedoch erst im Umlauf, bei einer jährlichen Inflation von etwa 60 Prozent. Zudem werden monatlich signifikante Token-Mengen an Team, Investoren und institutionelle Partner freigeschaltet. Sollte es hier zu Verkaufsdruck kommen, wäre erhebliche Nachfrage nötig.

Daylight

Daylight ist ein DePIN-nahes Infrastrukturprojekt mit Fokus auf dezentrale Energieversorgung für private Haushalte in den USA. Das Ziel ist es, Hausbesitzern günstigeren, nachhaltigeren und widerstandsfähigeren Strom bereitzustellen, indem Energieinfrastruktur wie Solaranlagen oder Batteriespeicher professionell finanziert, installiert und betrieben wird. Nutzer schließen dafür ein Daylight-Abonnement ab, während die wirtschaftliche Optimierung im Hintergrund erfolgt.

Das Besondere ist das sogenannte InfraFi-Modell. Daylight bündelt sämtliche Ertragsquellen, die moderne Energieinfrastruktur generieren kann, in einer Struktur. Dazu zählen monatliche Stromzahlungen der Haushalte, der Verkauf überschüssiger Energie zurück ins Stromnetz, staatliche Steuervergünstigungen sowie handelbare Umwelt- und Emissionszertifikate. Durch diese Kombination lassen sich nach Unternehmensangaben Renditen im hohen einstelligen bis niedrigen zweistelligen Prozentbereich erzielen. Stablecoin-Investoren können sich beteiligen, indem sie Laufzeit- und Kreditrisiken übernehmen und im Gegenzug laufende Erträge aus realer Infrastruktur erhalten.

Obwohl Daylight bislang keinen eigenen Token emittiert hat, unterstreichen die Finanzierungsrunden das institutionelle Interesse. Nach einer Seed-Runde über 9 Millionen US-Dollar folgten eine Series A sowie eine umfangreiche Fremdfinanzierung. Gleichzeitig liegt hier auch das zentrale Risiko: Das Geschäftsmodell ist stark von regulatorischen Rahmenbedingungen abhängig. Änderungen bei Steuergutschriften, Energiepolitik oder Finanzregulierung könnten Anpassungen erzwingen.

Hivemapper

Hivemapper

Hivemapper ist eines der bekanntesten DePIN-Projekte im Bereich dezentrale Kartierung und Echtzeit-Geodaten. Das Netzwerk setzt auf tausende Fahrer und Flotten, die mit speziellen Dashcams Straßenbilder sammeln. Auf diese Weise deckt Hivemapper bereits rund 37 Prozent des globalen Straßennetzes ab, mit Daten, die kontinuierlich aktualisiert werden. Die Teilnehmer werden für ihre Beiträge tokenisiert entlohnt, wodurch ein globales, community-getriebenes Mapping-Netzwerk entsteht.

Das Geschäftsmodell richtet sich klar an Enterprise-Kunden. Unternehmen aus den Bereichen Kartierung, Ride-Hailing, Logistik sowie autonomes Fahren zahlen aktuell etwa 0,0075 US-Dollar pro Map Credit. Dieser gewährt eine Woche Zugriff auf hochauflösende, aktuelle Bilddaten für eine definierte geografische H3-Zelle. Der entscheidende Vorteil gegenüber klassischen Anbietern liegt in der Kostenstruktur: Durch Crowdsourcing und günstige Hardware kann Hivemapper Live-Daten nach eigenen Angaben bis zu 100-mal günstiger erzeugen als etablierte Anbieter wie Google Maps. Gleichzeitig sind die Daten deutlich frischer, was insbesondere für das Training autonomer Fahrzeuge essenziell ist.

Trotz dieser strukturellen Vorteile besteht ein zentrales Spannungsfeld. Zwar kommuniziert Hivemapper namhafte Großkunden mit Milliardenbewertungen, doch der tatsächliche Umsatz aus Map Credits lag zuletzt lediglich bei rund einer Million US-Dollar. Diese Diskrepanz deutet darauf hin, dass selbst große Kunden bislang nur begrenzte Budgets einsetzen.

Livepeer

Livepeer

Livepeer ist eines der reiferen DePIN-nahen Netzwerke und positioniert sich als dezentrale Compute-Infrastruktur für Videoverarbeitung. Rund 100 Compute-Provider, sogenannte Orchestratoren, stellen GPUs bereit und verdienen Belohnungen, indem sie Video-Workloads für Entwickler, Plattformen und Content-Creator ausführen. Die Abrechnung der Services erfolgt in Stablecoins oder ETH, während sowohl Orchestratoren als auch Delegatoren den nativen Token LPT staken müssen, um am Netzwerk teilzunehmen. Dadurch entsteht eine strukturelle Nachfrage nach LPT, ohne dass Nutzer direkt mit dem Token bezahlen müssen.

Strategisch besonders relevant ist der klare Pivot in Richtung KI-Video-Inferenz. Während Livepeer ursprünglich auf klassisches Video-Transcoding fokussiert war, stammen inzwischen die Mehrheit Workloads aus KI-Anwendungen, etwa für automatisierte Videoanalyse, Generierung oder Echtzeitverarbeitung.

LPT ist vollständig im Umlauf, größere VC-Freischaltungen stehen nicht mehr an. Governance-Reformen haben zudem die Anreizstruktur verbessert, indem Staking-Erträge stärker an reale Protokolleinnahmen gekoppelt wurden. Allerdings erfolgt die Wertakkumulation für LPT indirekt: Nicht über Burns oder Buybacks, sondern über Wettbewerb um begrenzte, ertragsfähige Staking-Slots.

Fazit: DePIN-Projekte sind spannend, aber riskant

Die betrachteten Projekte zeigen, wie breit und ambitioniert der DePIN-Sektor inzwischen aufgestellt ist. Ob drahtlose Netze, Glasfaser-Infrastruktur, Energieversorgung oder Echtzeit-Kartierung – viele dieser Konzepte adressieren reale Märkte mit einem potenziellen Volumen in Milliardenhöhe. Genau darin liegt die große Stärke dieses Trends. Denn DePIN verbindet Blockchain-basierte Anreizsysteme mit physischer Infrastruktur und realer Nachfrage.

Gleichzeitig ist in diesbezüglichen Krypto Prognosen Vorsicht geboten. Trotz technologischer Fortschritte notieren viele dieser Projekte weiterhin deutlich unter ihren historischen Höchstständen. Entscheidend bleibt die Frage, ob es gelingt, nachhaltig Marktanteile von etablierten, kapitalstarken Unternehmen zu gewinnen und daraus stabile Umsätze zu generieren. Ebenso zentral ist die Tokenomics. Nicht jedes erfolgreiche Produkt führt automatisch zu einem steigenden Wert des nativen Tokens.

DePIN bleibt damit ein hochspannendes, aber noch junges Marktsegment, das langfristige Chancen bietet. Doch Vorsicht bleibt geboten.


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Daniel Robrecht

Nach seinem Rechtswissenschaften- und Management-Studium entschied sich Daniel für eine Tätigkeit als freiberuflicher Autor und verfasst mittlerweile seit rund 10 Jahren qualitative Publikationen zu diversen Fachthemen. Als Investor sammelte er jahrelang Erfahrung mit Aktien & Kryptowährungen. Neben einem langfristigen Investitionsansatz... Mehr lesen

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