Monero steht unter einem neuartigen Angriff, der weder auf Bugs noch auf Exploits basiert, sondern auf wirtschaftlichen Anreizen. Dieser Angriff ist kein klassischer Hack, sondern ein gezielter Versuch, die Kontrolle über Monero durch ökonomische Mittel zu übernehmen. 

Das Wichtigste im Überblick:

  • Qubic, betrieben von IOTA-Mitbegründer Sergey Ivancheglo, versucht seit Juli 2025 durch ökonomische Anreize, 51 % der Monero-Hashrate zu kontrollieren.
  • Miner werden mit QUBIC-Token bezahlt, während geschürfte XMR verkauft und verbrannte QUBIC-Token den Preis steigern, um Moneros Dezentralisierung zu bedrohen.
  • Ein 51%-Angriff könnte Qubic ermöglichen, Blöcke zu verwerfen, Transaktionen zu verzögern oder Protokolländerungen zu erzwingen.
  • Moneros RandomX-Algorithmus und ein Sicherheitsbudget von 130.000 USD täglich machen es anfällig; die Community reagiert mit P2Pool und Sicherheitsmodus.
  • Qubics Strategie könnte Publicity und Investitionen in QUBIC fördern, was den Preis im Juli 2025 um 50 % steigerte, während Monero leicht auf 350 USD stieg.[/key take away]

So versucht der Mining-Pool die Mehrheit der Hashpower zu erlangen

Der größte Mining-Pool von Monero, Qubic, der vom IOTA-Mitbegründer Sergey Ivancheglo betrieben wird, strebt an, 51 % der Hashrate des Netzwerks zu kontrollieren. Dabei handelt es sich nicht um einen versteckten Angriff, sondern um eine offene Strategie, die auf verlockenden Belohnungen basiert. 

Qubic lockt Miner mit höheren Gewinnen, um die Dezentralisierung von Monero zu untergraben. Der Mechanismus ist simpel, aber effektiv: Miner schließen sich dem Qubic-Pool an und werden in QUBIC, der nativen Währung des Pools, statt in Monero (XMR) bezahlt. Qubic verkauft die geschürften XMR. Die Gewinne werden wiederum in die eigene Kryptowährung investiert und verbrennt diese, was den Preis von QUBIC steigert und einen Anreiz zum Halten setzt.

 Dies führt zu höheren Gewinnen für die Miner, zieht weitere Miner an und erhöht Qubics Kontrolle über die Hashrate. Es ist kein Malware-Angriff, sondern ein Spiel mit Anreizen, das die Grundfesten des Netzwerks bedroht.

Das steht auf dem Spiel

Die Gefahr dieses Angriffs ist enorm. Sollte Qubic 51 % der Hashrate erreichen, könnte der Pool Blöcke verwerfen, Transaktionen ablehnen, Bestätigungen verzögern, Wettbewerber unterdrücken oder sogar Protokolländerungen erzwingen. Qubic empfiehlt bereits, Transaktionen mit 13 Bestätigungen zu sichern – ein klares Zeichen für die wachsende Bedrohung. 

Erschreckend ist die Kosteneffizienz dieses Angriffs: Moneros tägliches Sicherheitsbudget liegt bei etwa 130.000 US-Dollar. Mit einem Aufschlag von nur 7.000 bis 10.000 US-Dollar pro Tag könnte Qubic die Mehrheit der Hashrate kaufen. Damit würde der Pool die Kontrolle über die privateste Kryptowährung übernehmen.

Moneros Anfälligkeit für diesen Angriff liegt in seinem Design begründet. Der RandomX-Algorithmus ermöglicht CPU-Mining, was Miner hochmobil macht. Sie können schnell zu profitableren Pools wechseln. Zudem ist der Block-Reward mit 0,6 XMR festgelegt. Die On-Chain-Nutzung ist mit etwa 30.000 Transaktionen pro Tag moderat, und die Gebühren sind niedrig. Während die Kryptographie von Monero stark ist, sind die wirtschaftlichen Anreize schwach, was das Netzwerk angreifbar macht.

Die Monero-Community hat bereits reagiert. Entwickler haben Warnungen ausgegeben, ein Sicherheitsmodus wurde aktiviert, und Nutzer werden aufgefordert, auf den dezentralen Pool P2Pool umzusteigen. Qubic selbst hat dazu aufgerufen, dass Services nur noch Transaktionen mit mindestens 13 Bestätigungen zu akzeptieren. Grund ist, dass im August voraussichtlich viele Orphan-Blöcke entstehen werden. Qubic plant dabei wohl Blöcke anderer Pools zu ignorieren, was zu fehlgeschlagenen Transaktionen führen wird.

Qubic-Gründer mit widersprüchlicher öffentlicher Stellungnahme

Sergey Ivancheglo, alias @c___f___b , steht öffentlich dazu, dass sein Projekt Qubic versucht, die Mehrheit der Monero-Hashrate zu kontrollieren, um das Netzwerk zu dominieren. Er versucht die Übernahme dabei jedoch als “wohlwollenden Angriff” darzustellen, der dazu diene letzten Endes vor “nicht-wohlwollenden Angriffen” zu schützen.

In einem X-Post erklärte er, Qubic werde nach Erreichen der 51%-Marke Blöcke anderer Pools ablehnen, wodurch das Mining von Monero (XMR) nur auf Qubic machbar sei. Es ist dabei offensichtlich, dass ein Großteil der Monero-Community Ivancheglo nicht traut. Fraglich ist auch, dass Qubic seine Hashrate schon bald nicht mehr öffentlich melden will.

Konkret ab Mittwoch, dem 30. Juli 2025, plant Qubic, seine Hashrate nämlich nicht mehr zu melden. Dies soll die Transparenz verringern und die Überwachung erschweren. Ivancheglo behauptet, dies diene dazu, Gegenmaßnahmen für derartige Angriffe zu finden, da die Krypto-Industrie eines Tages mit „nicht wohlwollenden Angriffen“ konfrontiert sein könnte. 

Dieser Angriff markiert wieder einmal, wo die wahre Macht hinter dem Funktionieren von Kryptowährungen liegt. Nicht Codes oder die kryptografische Qualität entscheiden darüber, wer eine Kryptowährung kontrolliert, sondern vor allem ökonomische Anreize. Dies wird nicht nur bei Monero deutlich, sondern vor allem auch bei Bitcoins Block-Size-War, der zur Gründung der Bitcoin Alternativen Bitcoin Cash und Bitcoin SV führte.

Eigentlicher Plan: Publicity für QUBIC schaffen?

Es besteht die Möglichkeit, dass Qubics Versuch, die Mehrheit der Monero-Hashrate zu kontrollieren, weniger darauf abzielt, wirklich die Kontrolle über Monero zu erlangen. Sondern vielmehr darauf, Publicity und Investitionen in die eigene Währung QUBIC zu lenken. 

Durch die öffentliche Ankündigung eines „wohlwollenden Angriffs“ und die strategische Verbrennung von QUBIC-Token nach dem Verkauf geschürfter XMR könnte Qubic gezielt Aufmerksamkeit erzeugen, um den Preis und die Nachfrage nach QUBIC zu steigern. Dabei könnte QUBIC gerade Monero ausgewählt haben, da es unwahrscheinlich ist, dass ein Angriff auf die Währung rechtliche Konsequenzen mit sich zieht. Die Währung ist selbst verboten und dürfte über keine legale Entität verfügen, die sie vor Gericht verteidigen dürfte.

Diese Taktik nutzt die Kontroverse und die mediale Reichweite eines potenziellen 51%-Angriffs, um Qubic als Projekt ins Rampenlicht zu rücken. Während die erhöhte Hashrate-Kontrolle die Attraktivität für Miner steigert, was wiederum Investoren anziehen könnte. Kritiker in der Monero-Community sehen darin jedoch eine gefährliche Machtdemonstration, die das Vertrauen in Moneros Dezentralisierung untergräbt.

Preisentwicklung von Monero und QUBIC

Seit Anwendung von Qubics Strategie in diesem Monat stieg Monero trotz der FUD, die Qubic ausgelöst hat, leicht. Dabei startete der Kurs im Juli bei etwa 300 USD und erreichte am 14. Juli das lokale Hoch von etwa 350 USD. Interessanterweise stieg der Kurs kurz bevor die allgemeine Altcoin Season Ethereum um über 30% steigen ließ. Inzwischen sank der Preis jedoch wieder und liegt mittlerweile bei 323 USD. 

QUBIC hingegen verzeichnete im Juli 2025 dagegen einen Preisanstieg um fast 50%. QUBIC ist dabei jedoch noch immer weit entfernt von seinem Allzeithoch, welches es kurz nach dem Coin Launch im März 2024 bei 0,00010 USD erreichte. Neben der Monero-Strategie waren für den kürzlichen Preisanstieg jedoch auch die Listung auf BingX und das Ende des QSwap-IPOs entscheidend. Die Aktivität von Qubic deutet darauf hin, dass es eher um Marketing für Qubic geht als um eine echte Übernahme von Monero. Jedoch könnte das Erreichen von 51% der Hashrate Qubic dabei ein nicht unwillkommenes Nebenprodukt für Qubic sein. Die Geschehnisse sind in jedem Fall spannend und sollten von der gesamten Kryptowelt genau beobachtet werden.

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Michael Sprick
Krypto Journalist

Michael Sprick ist ein freiberuflicher Journalist und Content Writer mit Schwerpunkt Blockchain und Web3 und wohnt in Barcelona. In der Vergangenheit hat er u.a. für btc-echo.de und für die BSV Blockchain Association gearbeitet. Mehr lesen

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