Für börsennotierte Bitcoin-Treasury-Unternehmen wird der Zugang zu MSCIs globalen Aktienindizes schwieriger: Neue Kriterien könnten Strategy und Metaplanet den Indexplatz kosten, während SharpLink auf einer Beobachtungsliste steht. Eine Entfernung ist jedoch noch nicht bestätigt; MSCI will die endgültige Liste der möglicherweise betroffenen Firmen am 11. November veröffentlichen.

Das Wichtigste im Überblick:

  • MSCI prüft, ob Unternehmen ausreichend operative Vermögenswerte besitzen und bei fünf Finanztests auffällig sind.
  • Eine Simulation stufte Strategy und Metaplanet als mögliche Streichkandidaten ein; SharpLink stand auf einer Watchlist.
  • Die endgültige Liste soll am 11. November erscheinen, die Regeln nach Handelsschluss am 30. November 2026 greifen.

Neue Kriterien prüfen Geschäftsmodell und Finanzkennzahlen

MSCI hat die Zulassungsregeln für seine Global Investable Market Indexes angepasst. Der Indexanbieter will damit Unternehmen identifizieren, deren Finanzstruktur eher der eines Investmentvehikels als der eines operativen Betriebs ähnelt. Die neuen Regeln gelten nach dem Handelsschluss am 30. November 2026.

Die Prüfung erfolgt in zwei Schritten: Zunächst bewertet MSCI, ob ein Unternehmen über substanzielle operative Vermögenswerte verfügt. Fällt es bei dieser Prüfung durch, folgen fünf Finanzkennzahlen. Mindestens vier davon müssen auffällig sein, damit die Ausschlussprüfung greift.

Für Unternehmen, die bereits in einem Index enthalten sind, müssen die Kriterien in den beiden jüngsten jährlichen Berichtszeiträumen verfehlt worden sein, bevor eine Entfernung infrage kommt. Bei einer geplanten Neuaufnahme kann bereits ein negatives Ergebnis in einem der beiden Zeiträume genügen. MSCI beendet außerdem vorübergehende Beschränkungen für Firmen, deren digitale Vermögenswerte mindestens 50 Prozent ihrer Gesamtaktiva ausmachen. Damit ersetzt ein allgemeineres Unternehmensscreening den früheren Schwellenwert, der ausdrücklich an digitale Vermögenswerte geknüpft war. Eine frühere MSCI-Regelprüfung mit möglichem Ausschluss von Strategy hatte sich stärker auf solche Bestände konzentriert.

Frühere Simulation ist keine endgültige Streichliste

Eine Simulation anhand von Daten aus dem Mai 2026 hätte Strategy, Metaplanet und das britische Unternehmen Yellow Cake aus dem MSCI ACWI Investable Market Index entfernt. In dieser historischen Berechnung lag die Free-Float-Marktkapitalisierung von Strategy bei rund 23,93 Milliarden US-Dollar und die von Metaplanet bei 654 Millionen US-Dollar. Die Werte beschreiben die damalige Simulation, nicht die aktuellen Bewertungen.

SharpLink, ein Ethereum-Treasury-Unternehmen, sowie Center Laboratories und Lydia Holding wurden dagegen auf eine potenzielle Beobachtungsliste gesetzt. Diese Einstufung bedeutete, dass sie die Screeningbedingungen im jüngsten Berichtszeitraum erfüllt hatten, aber nicht die Voraussetzungen für eine sofortige Entfernung. MSCI hat nicht bestätigt, dass die simulierten Ergebnisse in der November-Überprüfung übernommen werden. Strategy und Metaplanet zählen zu den börsennotierten Bitcoin-Treasury-Unternehmen, deren institutionelle Nachfrage von Indexzugehörigkeit beeinflusst werden kann.

Strategy wendet sich gegen die Einstufung als nicht operatives Unternehmen. Das Unternehmen argumentiert, seine Bitcoin-Aktivitäten erfüllten nach US-amerikanischen Rechnungslegungsgrundsätzen die Voraussetzungen eines operativen Segments. In seiner Stellungnahme schätzte Strategy, dass Fonds, die MSCIs Global Investable Market Indexes nachbilden, rund 13 Millionen eigene Aktien hielten. Das entspreche 3,1 Prozent der ausstehenden Basisaktien und weniger als dem Handelsvolumen eines durchschnittlichen Börsentags. Diese Unternehmensangaben sind keine unabhängige Prognose dazu, wie viele Aktien im Fall eines Ausschlusses tatsächlich verkauft würden.

Indexflüsse hängen von der endgültigen Liste ab

Ein Ausschluss könnte die Nachfrage von Fonds beeinflussen, die MSCI-Indizes abbilden, weil diese ihre Portfolios an den jeweiligen Indexbestand anpassen. Eine konkrete Höhe möglicher Verkäufe oder Kapitalabflüsse ist mit den vorliegenden Angaben jedoch nicht belegt. Im Kern geht es um die Abgrenzung zwischen operativen Unternehmen und Firmen, deren finanzielle Merkmale laut MSCI eher Investmentvehikeln ähneln.

Der nächste feste Termin ist der 11. November 2026: Dann soll MSCI die endgültige Liste der potenziell betroffenen Unternehmen veröffentlichen. Die Änderungen sollen nach Handelsschluss am 30. November wirksam werden. Bis dahin bleibt offen, ob Strategy und Metaplanet tatsächlich als Indexbestandteile gestrichen werden und ob SharpLink über den Watchlist-Status hinaus betroffen ist.

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Patrick Krauss
Patrick Krauss
Krypto-Analyst & Review-Faktenchecker

Patrick Krauss ist Krypto-Analyst und Autor bei 99Bitcoins und verantwortlich für das Faktenchecking von Krypto-Börsen- und Broker-Reviews. Er prüft sämtliche Inhalte auf fachliche Richtigkeit, Aktualität und Nachvollziehbarkeit und stellt sicher, dass Angaben zu Gebühren, Handelsbedingungen, Regulierung, Sicherheitsstandards und Risikohinweisen korrekt... Mehr lesen

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