Base hat das Cobalt-Upgrade auf dem Mainnet aktiviert und ergänzt damit sowohl bedingte Transaktionen als auch neue Funktionen für den Tokenstandard B20. Der Schritt erleichtert regelkonforme Tokenisierung, schafft aber zugleich Möglichkeiten für administrative Eingriffe in Tokenbestände.
Das Wichtigste im Überblick:
- Cobalt ist das dritte große Upgrade von Base und bereits auf dem Mainnet aktiv.
- B20 erhält kombinierbare Compliance-Regeln, geplante Anpassungen für Unternehmensaktionen und eine Funktion für autorisierte Übertragungen.
- Validity Transactions können an Bedingungen und Ablaufzeiten geknüpft werden; weitere Teile der Base-Roadmap sind noch veränderbar.
Bedingte Transaktionen und neue B20-Funktionen
Cobalt ist das dritte große Netzwerk-Upgrade von Base. Im Mittelpunkt stehen die sogenannten Validity Transactions und Erweiterungen des B20-Standards, den Base für Unternehmen entwickelt, die Token auf dem Ethereum-Layer-2-Netzwerk ausgeben.
Mit Validity Transactions können Nutzer eine Transaktion signieren und einreichen, die erst dann für die Aufnahme in einen Block infrage kommt, wenn festgelegte Onchain-Bedingungen erfüllt sind. Zusätzlich lässt sich eine Frist setzen, nach deren Ablauf die Transaktion verfällt.
Ein Händler könnte beispielsweise einen Swap vorbereiten, der nur ausgeführt werden darf, wenn ein bestimmter Vermögenswert einen festgelegten Preis erreicht, bevor eine Block-Deadline abläuft. Bis zur Aufnahme in einen Block können solche Transaktionen laut Base privat bleiben. Die Bedingungen legen die Nutzer selbst fest und signieren die Transaktionen eigenständig.
Für B20 führt Cobalt Composite Policies ein. Emittenten können damit mehrere Anforderungen miteinander kombinieren, etwa eine KYC-Freigabeliste, Regeln für akkreditierte Anleger und eine Sperrliste für sanktionierte Personen. KYC steht für die Identitätsprüfung von Kunden; die Kombination der Kriterien bildet ein gemeinsames Regelwerk für die Übertragung eines Tokens.
Eine weitere Funktion ermöglicht es, den Display-Multiplikator eines Tokens zu einem festgelegten Zeitpunkt anzupassen. Das kann etwa bei einem Aktiensplit relevant sein: Die angezeigte Anzahl der Anteile in Wallets und Apps ändert sich, ohne dass dafür die zugrunde liegenden Salden verändert werden müssen.
Mit seizeWithMemo kommt außerdem eine Funktion hinzu, über die autorisierte Administratoren unterstützter Token Salden neu zuweisen und eine Erklärung auf der Blockchain hinterlegen können. Das ist nicht mit einer allgemeinen Eingriffsmöglichkeit von Base gleichzusetzen: Die Funktion betrifft unterstützte Token und setzt dafür autorisierte Administratoren voraus.
Die neuen Regeln passen zu Anwendungen, in denen Token Rechte an Vermögenswerten abbilden und Übertragungen an bestimmte Voraussetzungen gebunden sind. Auch tokenisierte Aktien auf Base zeigen, wie solche Assets in Onchain-Anwendungen eingebunden werden können; die konkreten Bedingungen hängen jedoch vom jeweiligen Produkt und dessen Ausgestaltung ab.
Mehr Compliance, aber auch stärkere Eingriffe
Die Kombination aus Identitätsprüfung, Akkreditierungsregeln und Sanktionslisten kann Emittenten helfen, unterschiedliche Anforderungen innerhalb eines Token-Regelwerks abzubilden. Für Anleger ist entscheidend, dass diese Regeln nicht nur den Zugang, sondern auch die spätere Übertragbarkeit eines Tokens beeinflussen können.
Besonders die administrative Übertragungsfunktion verlangt eine genaue Prüfung der jeweiligen Token-Bedingungen. Eine Onchain-Begründung schafft zwar eine sichtbare Dokumentation des Vorgangs, verhindert aber nicht, dass autorisierte Stellen Bestände ohne Zustimmung des Inhabers neu zuweisen können. Damit wird ein möglicher Konflikt zwischen Compliance-Anforderungen und individuellen Nutzerrechten unmittelbar in die technische Infrastruktur verlagert.
KYC muss dabei nicht zwangsläufig bedeuten, dass sämtliche persönlichen Angaben öffentlich auf der Blockchain erscheinen. Ansätze mit Zero-Knowledge-Proofs als KYC-Alternative verfolgen das Ziel, Prüfungen datensparender umzusetzen. Cobalt beschreibt jedoch die Möglichkeit, Compliance-Anforderungen zu kombinieren; daraus folgt nicht automatisch, dass ein konkreter Emittent solche datenschutzfreundlichen Verfahren einsetzt.
Der Wettbewerb um institutionelle Onchain-Finanzprodukte beschränkt sich zudem nicht auf Base. Auch andere Netzwerke arbeiten an Infrastruktur für regulierte Wertpapiermärkte, etwa im Zusammenhang mit Tokenisierung und Handelsplänen auf Avalanche. Für Anleger zählt daher nicht allein, welche Funktionen ein Standard unterstützt, sondern ebenso, wer Regeln festlegt und welche Rechte Tokeninhaber tatsächlich besitzen.
Base-Roadmap bleibt unter Vorbehalt
Base plant nach eigenen Angaben weitere technische Änderungen. Dazu zählt eine Verringerung der Blockzeit von zwei Sekunden auf 200 Millisekunden. Außerdem sind Unterstützung für Smart Accounts auf Protokollebene und zusätzliche Verbesserungen an der Ethereum Virtual Machine vorgesehen.
Diese Punkte sind als Vorhaben für die kommenden Monate beschrieben, nicht als garantierte Umsetzung zu einem festen Termin. Base weist darauf hin, dass sich die Pläne noch ändern können. Für Anleger markiert Cobalt damit einen konkreten Ausbau der Token- und Transaktionsfunktionen, während Umfang und Zeitpunkt der nächsten Schritte offenbleiben.
Warum Sie 99Bitcoins vertrauen können
99Bitcoins wurde 2013 gegründet und verfügt über ein Team von Experten, deren Erfahrung bis in die Anfänge der Kryptozeit zurückreicht.
Wöchentliche Recherche
100k+Monatliche Leser
Experten
2000+Krypto-Projekte unter die Lupe genommen
