Intercontinental Exchange (ICE), die Muttergesellschaft der New York Stock Exchange, prüft Avalanche (AVAX) als mögliche Blockchain-Infrastruktur für eine geplante Handelsplattform mit tokenisierten Aktien und ETFs rund um die Uhr. Eine unterzeichnete Partnerschaft oder ein finaler Vertrag zwischen ICE und Avalanche existiert nach aktuellem Stand jedoch nicht.
Das Wichtigste im Überblick:
- ICE evaluiert Avalanche als eine von mehreren möglichen Blockchain-Infrastrukturen für seine geplante 24/7-Plattform
- Die Aussage stammt von ICE-Vizepräsident Michael Blaugrund und wurde am 17. September über den offiziellen Avalanche-X-Account veröffentlicht
- Weder ICE noch Avalanche haben einen unterzeichneten Vertrag oder eine formelle Partnerschaft bestätigt
- Relevante Kriterien sind laut ICE Performance, institutionelle Wallet-Unterstützung, Interoperabilität sowie die Anbindung an Infrastruktur wie die DTCC
- Die SEC erließ am 17. September vorläufige bedingte Ausnahmen, die den On-Chain-Handel tokenisierter US-Aktien regulatorisch unterstützen
ICE evaluiert Avalanche für tokenisierten 24/7-Handel
ICE plant ein sogenanntes Alternative Trading System (ATS), das die NYSE-Pillar-Matching-Engine mit On-Chain-Abwicklung kombinieren soll. Ziel ist ein Handelssystem, in dem tokenisierte Aktien und ETFs gegen Stablecoins rund um die Uhr gehandelt werden können, statt nur während der klassischen Börsenöffnungszeiten.
Für die Wahl der zugrunde liegenden Blockchain-Infrastruktur hat ICE mehrere Kriterien definiert: Performance, die Unterstützung institutioneller Wallets, Interoperabilität mit anderen Systemen sowie die Fähigkeit, sich an bestehende Wertpapier-Infrastruktur anzubinden. Ein finales System müsste dabei mit Transferstellen, Stablecoin-Emittenten, Broker-Dealern und der DTCC zusammenarbeiten – ein deutlich komplexeres Anforderungsprofil, als es viele rein krypto-native Plattformen bislang erfüllen mussten. Wie technisch anspruchsvoll allein die Validator-Infrastruktur eines solchen Netzwerks sein kann, zeigt sich etwa an den jüngsten Änderungen bei Avalanches Validatoren-Uptime.
Nach Angaben von ICE erfüllt Avalanche derzeit einen Großteil dieser Anforderungen. Das ist bemerkenswert, weil das Thema tokenisierte Aktien zuletzt vor allem im Zusammenhang mit anderen Netzwerken diskutiert wurde – etwa bei tokenisierten Aktien auf Solana.
Aussage von ICE und Status der Prüfung
Die Information stammt nicht von ICE selbst, sondern wurde am 17. September über den offiziellen X-Account von Avalanche veröffentlicht. Zitiert wird darin Michael Blaugrund, Vice President of Strategic Initiatives bei ICE, der laut dieser Veröffentlichung erklärt, dass Avalanche viele der von ICE geprüften Anforderungen abdecke und man deshalb im engen Austausch mit dem Avalanche-Team stehe.
Eine eigene, formelle Ankündigung hat ICE bislang nicht veröffentlicht. Auch Avalanche hat keinen unterzeichneten Vertrag bestätigt. Die Aussage stammt damit ausschließlich aus dem Avalanche-Kanal, ohne unabhängige Stellungnahme seitens ICE oder der NYSE, laut DailyCoin.
Warum der mögliche Avalanche-Einsatz relevant wäre
ICE hatte seine Pläne für eine tokenisierte Handelsplattform bereits im Januar 2026 angekündigt. Im März folgte ein weiterer Baustein: NYSE und Securitize gaben eine Absichtserklärung (MOU) bekannt, wonach Securitize als erste digitale Transferstelle für blockchain-native Wertpapiere auf der geplanten NYSE-nahen Plattform infrage kommen soll.
Regulatorisch bewegt sich zeitgleich einiges: Die US-Börsenaufsicht SEC erließ am 17. September vorläufige bedingte Ausnahmen, die den On-Chain-Handel tokenisierter US-Aktien unterstützen sollen. ICEs eigenes Plattformprojekt bleibt davon unabhängig weiterhin an eigene regulatorische und operative Vorgaben gebunden.
Sollte ICE sich am Ende tatsächlich für Avalanche entscheiden, wäre das ein prominenter institutioneller Anwendungsfall für eine öffentliche Blockchain innerhalb der klassischen Wertpapier-Infrastruktur. Institutionelles Interesse an Avalanche ist dabei kein Einzelfall: Auch Charles Schwab prüft ein erweitertes Krypto-Angebot mit AVAX, was das wachsende Interesse traditioneller Finanzakteure an dem Netzwerk unterstreicht.
Was als Nächstes zu beobachten ist
Offen bleibt zunächst, ob ICE sich formell für Avalanche entscheidet oder am Ende eine andere Blockchain-Infrastruktur bevorzugt. Ebenso relevant ist, ob ICE oder NYSE zeitnah eine eigene offizielle Stellungnahme oder gar einen unterzeichneten Vertrag veröffentlichen – bislang stammt die gesamte Information aus einer einzigen Quelle.
Entscheidend wird zudem sein, wie sich die geplante Plattform praktisch mit Transferstellen, Stablecoin-Emittenten, Broker-Dealern, der DTCC und den regulatorischen Anforderungen der SEC verzahnen lässt. Bis dahin bleibt die Avalanche-Prüfung genau das: eine laufende Evaluation, kein abgeschlossener Deal.
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