Visa und Mastercard haben am 15. Oktober neue kommerzielle Wege vorgestellt, um grenzüberschreitende Auszahlungen mit Stablecoins zu finanzieren. Visa setzt dafür bei berechtigten Visa-Direct-Kunden auf USDC-Vorfinanzierung über Inyo; Mastercards Plattform ermöglicht Unternehmen, Stablecoin-Guthaben für Bankauszahlungen in Landeswährung zu nutzen. Die oft genannte Reichweite von mehr als 200 Ländern ist ein Mastercard-Ausbauziel für 2027, keine bereits erreichte Abdeckung beider Netzwerke.

Das Wichtigste im Überblick:

  • Visa nennt Inyo Global als ersten kommerziellen Anbieter für USDC-Vorfinanzierung bei berechtigten Visa-Direct-Auszahlungen.
  • Mastercard Global Money Platform verbindet Stablecoin-Guthaben mit Auszahlungen in lokaler Währung auf Bankkonten.
  • Mehr als 200 Länder und Gebiete sind für Mastercard ein Ziel für 2027; Nuvei und Marqeta sind als frühe Integratoren vorgesehen.

Zwei Netzwerke, zwei Wege zur Auszahlung

Visa hat Inyo Global als ersten Anbieter benannt, der die USDC-Vorfinanzierung für berechtigte Visa-Direct-Kunden und Partner kommerziell bereitstellt. Unternehmen, die Inyos Dienste nutzen, können damit grenzüberschreitende Auszahlungen über Visa Direct in nahezu Echtzeit mit USDC vorfinanzieren. Das schafft eine Alternative dazu, sich ausschließlich nach den üblichen Zeitfenstern traditioneller Finanzierung zu richten.

Nahaufnahme zweier Kreditkarten mit dem Visa-Logo
Das Logo des Zahlungsdienstleisters Visa auf Kreditkarten

Bei Mastercard ist die Global Money Platform über den Stablecoin-Infrastrukturanbieter BVNK verfügbar. Sie bündelt Konten für Fiatgeld und Stablecoins sowie Umtausch- und Auszahlungsmöglichkeiten. Die Verbindung zu lokalen Bankauszahlungen läuft über Mastercard Move: Ein Unternehmen kann Stablecoins als Finanzierungsquelle nutzen, während der Empfänger den Betrag in seiner Landeswährung auf ein herkömmliches Bankkonto erhält.

Unternehmen können BVNK laut Produktbeschreibung direkt über ein Portal oder eine Schnittstelle (API) für eigene Treasury- und Zahlungsvorgänge nutzen. Alternativ lassen sich Konten und Zahlungen unter der eigenen Marke in Produkte einbinden; BVNK übernimmt dabei das Onboarding der Kunden. Mastercard führt Nuvei und Marqeta als geplante frühe Integratoren auf. Ihre Einbindung ist damit angekündigt, aber nicht als bereits abgeschlossen beschrieben.

Die Plattform verbindet Konten, Umtausch und Auszahlungen in einem Angebot. Damit greift sie einen Ansatz auf, bei dem Stablecoins in bestehende Zahlungsabläufe integriert werden, statt dass Empfänger zwingend selbst Kryptowährungen halten müssen. Auch die Nutzung von Stablecoins für Mastercard-Konten und Auszahlungen setzt an dieser Verbindung von digitalem Guthaben und konventioneller Zahlungsinfrastruktur an.

Stablecoin als Finanzierungsquelle, nicht zwingend als Empfangswährung

Entscheidend ist, an welcher Stelle Stablecoins zum Einsatz kommen: Die Ankündigungen betreffen vor allem das Geld, mit dem ein Unternehmen eine Zahlung finanziert. Sie bedeuten nicht automatisch, dass der Empfänger USDC erhält oder selbst eine Krypto-Wallet benötigt. Bei der Mastercard-Route wird das Stablecoin-Guthaben für die Auszahlung in die lokale Währung überführt; zugestellt wird über eine Bankverbindung.

Visa und Mastercard verfolgen dabei unterschiedliche konkrete Abläufe. Über Inyo dient USDC zur Vorfinanzierung berechtigter Visa-Direct-Auszahlungen. Mastercard und BVNK wiederum verknüpfen Stablecoin-Guthaben mit Auszahlungen in Landeswährung über Mastercard Move. Beide Angebote rücken Stablecoins damit als mögliche Finanzierungsoption in bestehende Unternehmensprozesse, ohne die klassische Auszahlung auf ein Bankkonto zu ersetzen.

Logo der digitalen Stablecoin-Währung USD Coin (USDC)
Logo von USD Coin (USDC) – Foto: Circle

Für die Einordnung ist außerdem die zeitliche Reichweite wichtig. Mastercard erwartet, dass die Abdeckung der Plattform 2027 auf mehr als 40 Währungen sowie über 200 Länder und Gebiete wächst. Das ist ein angekündigtes Ausbauziel und keine Angabe zur gegenwärtig verfügbaren Reichweite. Die Visa-Mitteilung benennt berechtigte Kunden und Partner, liefert aber keine vergleichbare Zusage für eine länderübergreifende Abdeckung von rund 200 Staaten.

Die praktische Einbindung von Stablecoins in Zahlungs- und Treasury-Abläufe ist auch über andere Unternehmenslösungen ein Thema. So behandelt die Verwendung von USDC für globale Zahlungen und Treasury-Prozesse einen ähnlichen Übergang von digitalem Guthaben in betriebliche Zahlungsabläufe. Die aktuellen Ankündigungen selbst belegen allerdings weder ein bestimmtes tatsächliches Transaktionsvolumen noch bereits realisierte Gebühreneinsparungen.

Welche Umsetzung jetzt zählt

Als nächste konkrete Schritte stehen die geplanten Integrationen von Nuvei und Marqeta in die Mastercard-Plattform sowie die tatsächliche Verfügbarkeit der angekündigten Funktionen im Vordergrund. Bei Visa wird relevant sein, wie breit berechtigte Visa-Direct-Kunden und Partner Inyos USDC-Vorfinanzierung nutzen. Die Unternehmen haben bislang keine Messwerte zu Zahlungsvolumen oder erzielten Einsparungen für diese neuen Wege veröffentlicht.

Für Mastercard liegt der nächste ausdrücklich genannte Meilenstein im Jahr 2027: Dann soll die Plattform mehr als 40 Währungen und über 200 Länder und Gebiete abdecken. Bis dahin sind die kommerziellen Angebote und das angekündigte Reichweitenziel getrennt zu betrachten.

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Christoph Peterson
Christoph Peterson
Krypto Redakteur

Vor einigen Jahren hat Christoph das Thema Kryptowährungen für sich entdeckt und ist seither leidenschaftlich als Autor und Enthusiast in diesem Bereich aktiv. Sein Interesse gilt vor allem den Themen Kryptowährungen, Blockchain-Technologie und Security Token Offerings (STOs). Als regelmäßiger Autor... Mehr lesen

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